Schwulenaktivist verlässt die SPD

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jirka minskWitschak protestiert gegen Förderpolitik


Jirka Witschak, Urgestein der schwul-lesbischen Bewegung im Land und aktiv beim Interportal „gayBrandenburg.de“, erklärt im Gespräch mit Ildiko Röd seine Enttäuschung über die Sozialdemokraten.


MAZ: Es geht das Gerücht, dass Sie aus der SPD austreten wollen?
Jirka Witschak: Das Gerücht stimmt nicht. Die Wahrheit ist: Ich bin schon ausgetreten.


MAZ: Sie waren eine treibende Kraft bei den Schwusos (Arbeitskreis Lesben und Schwule in der SPD) in Brandenburg. Da überrascht so ein Schritt.

Witschak: Ja, es fällt mir momentan auch ziemlich schwer, darüber zu sprechen, weil mir die ganze Sache ziemlich nahe geht. Im Jahr 2000 bin ich von den Linken zur SPD gewechselt. Ich habe mich immer mit der Partei identifiziert und mich wohlgefühlt. Meine Entscheidung hat auch nichts mit der Potsdamer SPD zu tun, sondern mit der Politik des SPD-geführten Sozialministeriums, das unserem Landesverband „Bündnis Faires Brandenburg“ konsequent die Unterstützung verweigert.

Was ist der Stein des Anstoßes?
Witschak: Es gibt zwei Landesverbände, die sich um schwul-lesbische Belange kümmern: „Andersartig e.V.“ und unser „Bündnis Faires Brandenburg“. Mir geht es darum, dass diese Verbände gleich behandelt werden. Aber das Ministerium hat sich entschieden, dass 2013 wieder nur „Andersartig e.V.“ gefördert wird.


Worauf führen Sie diese Entscheidung zurück?
Witschak: Bisher wurden wir über Lottomittel gefördert. Allerdings kommt diese Förderung immer sehr spät im Jahr. Damit lässt sich kaum eine kontinuierliche Projektarbeit – etwa die Beratung von Jugendlichen mit HIV oder Aids – planen. Nun wurde anscheinend das Gerücht gestreut, dass unsere Abrechnung der Lottomittel falsch sei und dass wir damit Schwierigkeiten hätten. Das sind böse Gerüchte und es wird aus einem laufenden Verfahren zitiert.


Was sind die Konsequenzen der fehlenden Landesförderung?
Witschak: Noch Ende 2012 hieß es, dass die Gelder zwischen uns und dem anderen Verein aufgeteilt werden sollten. Auf dieser Grundlage hatten wir die Jahresplanung gemacht. Nun sehen wir uns außerstande, die Miete zu zahlen. Nur dank einer Privatspende können wir überhaupt noch unser kleines Kellerbüro in der Posthofstraße in den nächsten Woche halten.


Planen Sie, in eine andere Partei einzutreten?
Witschak: Das weiß ich noch nicht. Tatsächlich gibt es Angebote. Aber das Problem ist: Wenn ich in andere Parteien gehe, muss ich aufpassen, dass ich das nicht wegen meines Helfersyndroms mache.


Wie meinen Sie das?
Witschak: Weder die Linken noch die Grünen oder die CDU haben eine so ausdifferenzierte parteiinterne schwul-lesbische Parteistruktur wie die SPD. Die sind in Brandenburg durchweg heterosexuell dominiert.


Wie sind die Reaktionen auf Ihren Austritt?
Witschak: Erstaunlicherweise bekomme ich sehr viel Applaus. Die Politik des Sozialministeriums wird von zahlreichen Schwusos nicht mehr verstanden. Es kann ja nich sein, dass immer nur eine „Regenbogenflaggenhissungspolitik“ betrieben wird. Für so eine Feigenblattpolitik will ich nicht mehr geradestehen.


 

Quelle: Maerkische Allgemeine Zeitung
mit freundlicher Genehmigung

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