MANEO stellt Jahresbericht 2010 vor

Erhöhte Zahlen sprechen nicht für einen Anstieg der Gewalt, sondern für mehr Kontakt mit dem ‚Dunkelfeld’.

Am gestrigen Freitag, dem 13.05.2011, stellte MANEO-Projektleiter Bastian Finke im Rahmen eines Pressegespräches den MANEO-Jahresbericht mit Zahlen zur schwulenfeindlichen Hassgewalt für das Jahr 2010 in Berlin vor. Er gab mit seiner ausführlichen Darstellung den geladenen Gästen Einblicke in die MANEO Projektarbeit des vergangenen Jahres. Mit Erläuterungen standen ebenso Uwe Löher, Ansprechpartner der Berliner Polizei für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, und André Lossin, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Berlin, zur Verfügung. MANEO kooperiert mit ihnen über verschiedene Initiativen und Projekte, genau wie mit dem Brandenburger Antigewaltprojekt Agnes von KATTE e.V. (weiterlesen)


Seit 20 Jahren erfasst MANEO Gewalttaten zum Nachteil homosexueller und bisexueller Jugendlicher
und Männer in Berlin. Im Jahr 2010 wurden MANEO 415 neue Fälle und Hinweise gemeldet
(im Jahr 2009 waren es 394 Fälle und Hinweise). 292 Fälle boten genügend Anhaltspunkte,
um diese auszuwerten (2009 waren es 306 Fälle). 216 Fälle, die sich auf Berlin bezogen, zeigten
einen homophoben Hintergrund auf (2009 waren es 225 Fälle). Die präsentierten Zahlen von
MANEO wurden durch eigene Zahlen der Berliner Polizei ergänzt: „Im Jahr 2010 wurden im
Rahmen des KPMD-PMK insgesamt 109 Fälle gemeldet, die nach Umständen der Tat bzw. der
Motivation des Täters dem Themenfeld ‚Hasskriminalität’, Unterthema ‚sexuelle Orientierung’ zuzuordnen
waren. Im Vorjahr wurden insgesamt 97“, berichtet der Bericht der Berliner Polizei zur
„Lagedarstellung der politisch motivierten Kriminalität 2010“. Etwa 40% der Taten aus dem Jahr
2010 konnten aufgeklärt werden.
Der MANEO-Report zeigt auf, dass die dominierenden Deliktformen einfache Beleidigungen
(27%), einfache und gefährliche Körperverletzungen, in der Regel einhergehend mit Beleidigungen
(29%), und Raub auf der Straße, ebenfalls oftmals einhergehend mit Beleidigungen (28%),
sind. Hierbei ist Schöneberg der Bezirk, für den die mit Abstand meisten Fälle gemeldet werden
(39%). Anders als gemeinhin angenommen, sind die Tatorte nicht vorrangig die schwulen Treffpunkte
der Gastronomie- oder Partyszene, sondern finden sich überwiegend im Bereich öffentlicher
Straßen und Verkehrsmittel.
„Die Zunahme gemeldeter Hinweise und Vorfälle – von denen in diesem Jahr jedoch etwas weniger
als im Vorjahr ausgewertet werden konnten – ist nicht zwingend ein Beleg für einen Anstieg
von Gewalt. Vielmehr bewerten wir dies als Erfolg, nämlich dass die kontinuierliche Aufklärungsarbeit
von MANEO und der Berliner Polizei dazu geführt hat, dass mehr Betroffene und Opfer den
Schritt aus dem Dunkeln wagen und sich an entsprechende Hilfseinrichtungen wie MANEO wenden.
Erfolgreich bewerten wir auch unsere Bemühungen, durch zeitnahes Reagieren auf Hinweise
Taten frühzeitiger aus dem Dunkelfeld herauszuholen. Je länger Täter im Dunkeln wirken
können, desto höher die Anzahl von Fällen und Opfern, die auf deren Konto gehen. Welche Folgen
das haben kann zeigt ein Fall aus Nordrhein-Westfalen aus dem Jahr 2010. Täter, die nach
Anzeigen von wenigen Betroffenen gefasst wurden, gestanden kurz darauf systematische Überfälle
auf Schwule, die sie im Umfeld einer Autobahnraststätte begangen hatten. Mehr als 180 Taten
werden ihnen zu Last gelegt“, so Bastian Finke. Trotz dieses positiven Trends wird die Höhe
der Dunkelziffer auch seitens der Berliner Polizei weiterhin als hoch eingeschätzt.
„Wir haben noch immer viel zu tun, zumal sich Berlin ständig verändert. Alljährlich zieht es Hunderttausende
Menschen nach Berlin; sie besuchen unsere Stadt als Touristen oder ziehen nach
Berlin, um hier zu leben, zu studieren oder zu arbeiten. Wir müssen weiterhin um Vertrauen werben,
wir müssen weiterhin Unterstützung leisten. Wir müssen die Aufklärungsarbeit in allen gesellschaftlichen
Teilbereichen weiter voran bringen“, so Bastian Finke. Zu dieser Aufgabe gehört
auch die Aufklärungsarbeit bei der Berliner Polizei. Beispielsweise hatte MANEO im Rahmen eines
EU-geförderten Projektes Ende des letzten Jahres beim Berliner Staatsschutz eine zweitägige
Fortbildungsveranstaltung durchgeführt.
Dass MANEO Vertrauen schafft, spiegelt sich in der jährlich ansteigenden Anzahl der Menschen
wider, die bei MANEO Anfragen oder auch Hilfe und Beratung suchen. Die Fälle, in denen Betroffene
Angst vor Repressalien haben, wenn sie einen gegen ihre sexuelle Orientierung gerichteten
Übergriff melden, oder Bedenken, dass ihre Anliegen wohlmöglich nicht ernst genommen oder
zugeordnet werden, oder Probleme, dass sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen, nimmt
stetig ab. Dies ist auch auf die anhaltende Szenenähe, Präsenz und intensive Vorort-Arbeit von
MANEO zurück zu führen.
„Vertrauen und gegenseitiges Verständnis sind die Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit
zwischen MANEO, den Opfern von homophober Hassgewalt und der Berliner Polizei. Auch wenn
hier in der Vergangenheit schon viel erreicht wurde, müssen wir genau da anknüpfen und intensiv
weiter arbeiten“, so Uwe Löher, Ansprechpartner für gleichgeschlechtliche Lebensweisen der
Berliner Polizei.
Diesem Credo verhaftet, Vertrauen zu schaffen, aufzuklären und Präventionsarbeit zu leisten
stellte Bastian Finke eine Auswahl an Projekten und Aktionen aus dem vergangenen Jahr vor.
2010 hat MANEO kontinuierlich sein Hilfsangebot vergrößert und seine Präsenz in der Öffentlichkeit
erhöht:
Zum 20jährigen MANEO Jubiläum kamen 500 Gäste und prominente Gratulanten ins Berliner
TIPI um der großen Jubiläumsgala beizuwohnen und mit MANEO 20 erfolgreiche Jahre Anti-
Gewalt- und Präventionsarbeit zu feiern.
Seit Anfang 2010 knüpft MANEO mit seiner neuen Gewaltpräventionskampagne an die erreichten
Erfolge an – und baut unter dem Leitmotto „Wir leben Toleranz“ die öffentliche Präsenz und Vernetzung
beständig weiter aus:
· Mit dem großen Relaunch der neuen MANEO Website (www.maneo.de) stehen jetzt neben
einer Fülle von aktuellen Materialien die wichtigsten Informationen für Opfer und Betroffene
bereits in 18 Sprachen zur Verfügung, hierbei steht vor allem die Ansprache und Aufklärung
von Migranten und Touristen im Fokus.
· Seit mehreren Monaten sind regelmäßig die MANEO-Nachtflugbegleiter in Berlin unterwegs,
um in der schwulen Szene auf Sicherheitsrisiken aufmerksam zu machen und über Verhaltensweisen
im Gefahrenfall aufzuklären. Ob Live, als Opening Act bei der Teddyverleihung
oder im Videoclip, gezeigt im Berliner Fenster der U-Bahnen, tragen sie dazu bei, das Leben
in der Stadt entspannter zu gestalten.
· Das von MANEO initiierte „Berliner Toleranzbündnis“ umfasst mittlerweile rund 70 Berliner
Unternehmen, Gewerbe und Vereine, die getreu dem Kampagnenmotto mit verschiedenen
Aktionen das gemeinsame Ziel verfolgen: „Wir leben Toleranz! Gegen Homophobie und
Hassgewalt. Für Vielfalt!“
· Der MANEO-Knutschbär wurde 1000-fach beküsst und geht als Berliner Botschafter für Toleranz
und Vielfalt auf große Reise um die Welt. Zurzeit weilt er in Moskau. Er ist Teil einer
Ausstellung in Moskau, die im Rahmen der Feierlichkeiten des 20-jährigen Bestehens der
Städtepartnerschaft Berlin-Moskau organisiert wird. Er ist außerdem Stargast auf dem CSDMoskau.
Als herausragendes Beispiel für neue von MANEO begründete Initiativen wurde die 2009 initiierte
Regenbogenbrücke vorgestellt. Diese will eine Brücke zwischen Berlin, Köln und Tel Aviv schlagen
und den Austausch über das Thema Homophobie und Hassgewalt befördern. Mit der Regenbogenbrücke
wurden im letzten Jahr acht Jugendliche aus Tel Aviv nach Berlin und Köln
eingeladen, die einen Anschlag auf das schwul-lesbische Zentrum Agudah in Tel Aviv überlebt
hatten. Das Projekt stand unter der Schirmherrschaft der Bürgermeister von Berlin, Köln und Tel
Aviv. Das Projekt wurde ausschließlich mit ehrenamtlicher Hilfe, aus Spendengeldern und mit
Sponsoren, und mit Hilfe des Deutsch-Israelischen Jugendwerkes realisiert. Der Gegenbesuch in
Israel ist im nächsten Monat geplant. „Gesellschaftliche Aufklärung ist die beste Prävention“, begründet
André Lossin, Geschäftsführer der Jüdischen gemeinde zu Berlin. „Wir haben eine hervorragende,
beispielhafte Zusammenarbeit mit MANEO entwickelt“, so Lossin über den Einsatz
der Jüdischen Gemeinde und die Kooperation mit MANEO.
Auch im kommenden Jahr wird MANEO seinen Auftrag wahrnehmen, Opfer und Betroffene von
homophob motivierter Hassgewalt zu betreuen und gewaltpräventive Arbeit für eine tolerante und
vielfältige Gesellschaft zu leisten.
Weitere Informationen bietet hierzu unsere Website: www.maneo.de

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