16.04. 2015 - Putzaktion Stolpersteine

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Mit der Aktion "STOLPERSTEINE - ein Kunstprojekt für Europa" - macht der Kölner Künstler Gunter Demnig auf die Schicksale von Opfern des Nationalsozialismus, von Rassenwahn, Intoleranz und Euthanasie aufmerksam. Die Gedenktafeln aus Messing, die vor dem letzten selbstgewählten Wohnort in den Fußweg eingelassen werden, erinnern an diese Opfer des NS-Terrors.

Die Landeshauptstadt Potsdam beteiligt sich seit 2008 an dieser Aktion, um die persönliche Lebensgeschichte der ansonsten oft namenlosen Opfer und die historischen Ereignisse in der Stadt visuell erfahrbar zu machen. Inzwischen gibt es 26 Stolpersteine in der Landeshauptstadt.

Die teilnehmenden Gäste der Regenbogenflaggenhissung und der Ausstellungseröffnung "gayPride Tel Aviv" möchten mit der Putzaktion ihren Teil dazu beitragen, dass die Menschen, die Opfer des Nationalsozialismus wurden, nicht vergessen werden. Mit dabei waren unter anderem Dirk Braitschink und Alina Gloger (beide LSU), Andreas Büttner (MdL, FDP), Ursula Nonnemacher (MdL, B90/ Die Grünen), Sascha Krämer (Die Linke, KV Potsdam).

Die Veranstaltung findet im Rahmen des CSD Potsdam 2015 am 16.04. statt. Treffpunkt 17:00 Uhr Leander Potsdam, Benkertstraße 1


Paul und Elisabeth Salinger
Das Ehepaar Paul und Elisabeth Salinger führte ein gutbürgerliches und kunstinteressiertes Leben. Sie wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und sind dort umgekommen.
Paul Salinger wurde am 21.5.1865 in Berlin geboren und wohnte ab 1920 in Potsdam. Als erfolgreicher Architekt entwarf er zusammen mit seinem Freund und späteren Schwager Alfred Breslauer viele Villen und Landhäuser. Seine spätere Ehefrau Elisabeth wurde am 1.11.1870 als vierte von fünf Geschwistern in Berlin geboren. Sie wurde protestantisch getauft und erst durch die Heirat mit Paul Salinger eine sogenannte Geltungsjüdin.
Das Ehepaar lebte mit Tochter Charlotte und Elisabeths Schwestern Helene und Hedwig im Elternhaus Breslauer in der Jägerallee 25. Salingers führten einen gepflegten Haushalt, waren an Kunst, Musik und Literatur interessiert und besaßen eine große Hausbibliothek. Paul war ein begeisterter Uhrensammler und spielte Schach, was er auch seinen Enkelkindern lehrte. Elisabeth liebte besonders den großen Garten, dort hielt sie sogar Bienen.
Das Ehepaar Salinger war überzeugt, dass ihnen die Nazis wegen ihres fortgeschrittenen Alters nichts anhaben würden, sie blieben deshalb in Deutschland. Trotzdem mussten beide am 2.10.1942 ihre Vermögenserklärung ausfüllen und wurden am 3.10.1942 mit dem „3. großen Potsdamer Alterstransport" nach Theresienstadt deportiert. Dort sind beide verstorben. Ihr Eigentum wurde am 16.11.1942 an „interessierte" Nachbarn zwangsversteigert. Tochter Charlotte heiratete Dr. med. Arnold Benfey, sie wanderten noch rechtzeitig in die USA aus. Nach dem Krieg kehrte die verwitwete Charlotte Benfey nach Deutschland zurück und lebte bis zu ihrem Tod am 23.8.1982 in Oberstdorf/Allgäu.
Stolperstein für Paul Salinger und Elisabeth Salinger, geb. Breslauer Jägerallee 25, 14469 Potsdam, Deutschland

Auguste Zöllner
Auguste Zöllner, Tochter einer alteingesessenen und prominenten Potsdamer Familie, wurde am 16. Juni 1943 mit dem "91. Alterstransport" nach Theresienstadt deportiert. Sie erlag im Alter von 91 Jahren diesen Strapazen.
Familie Hirschberg, in die Auguste am 1.12.1851 hineingeboren wurde, war eine sehr prominente jüdische Familie, die weit über die Grenzen Potsdams hinaus bekannt war. Augustes älterer Bruder Julius (1843-1925) war ein weltberühmter Wissenschaftler, Professor an der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin, Geheimer Medizinalrat und innovativer Augenarzt mit eigener Augenheilanstalt in der Reichshauptstadt. Bruder Rudolf (1850-1926) genoss als erfolgreicher Bankier hohes Ansehen und gehörte bis zu seinem Tod der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde und ihrer Bestattungsbruderschaft „Chewra Kadischa" an.
Bruder Wilhelm (1858-1919) wohnte in der Jägerallee 7 und war mit Meta Hirschberg, geb. Katzmann (1865-1942 Auschwitz) verheiratet. Deren Sohn Dr. med. Fritz Hirschberg, mit privater Praxis in Potsdam, emigrierte 1939 nach Norwegen. Auguste heiratete Julius Zöllner (geb. 5.12.1839, gest. 17.6.1891). Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Früh verwitwet, erbte sie das Haus in der Jägerallee 8. Nach dem Tod ihrer Kinder, 1910 und 1939, blieb sie allein in Potsdam. In der NS-Zeit wurde der bereits 80-jährigen Dame systematisch das gesamte Familien- und Grundeigentum geraubt. Vergeblich versuchte sie dem Vermögensverlust durch großzügige „Schenkungen" zuvorzukommen. Auguste Zöllner wurde 1943 mit 91 Jahren nach Theresienstadt deportiert und überlebte dieses Schicksal nur wenige Tage.
Die repräsentative Familiengrabstätte der Familie Hirschberg auf dem Jüdischen Friedhof Potsdam wurde mit rotem Sandstein aus der Rhein-Main-Region errichtet - das gleiche Material, wie es seit 1903 an der Fassade der Synagoge am Wilhelmplatz verwendet wurde.
Stolperstein für Auguste Zöllner, geb. Hirschberg Jägerallee 8, 14469 Potsdam, Deutschland

Bertha Simonsohn
Bertha Simonsohn, geboren am 1. Juli 1876 in Schneidemühl, war vermutlich eine der letzten in Potsdam lebenden Jüdinnen. Sie wurde am 19. April 1943 mit dem „86. Alterstransport" nach Theresienstadt deportiert. Nur zwei Monate später, am 17. Juni 1943, starb sie dort kurz vor ihrem 67. Geburtstag.
Mit ihrem Mann Max (1873 - 1940) hatte Bertha Simonsohn drei Söhne: Richard, Ludwig und Ernst. Die Familie besaß ein Geschäft in der Brandenburger Str. 19, mit dem sie ihren Lebensunterhalt verdienten. Sie war eine lebenslustige Frau, die ihre Zeit am liebsten mit ihren Kindern verbrachte. So besuchte sie z. B. oft ihren Sohn Richard und Schwiegertochter Hertha in Berlin Charlottenburg. Die Familie war kulturell sehr interessiert. Schwiegertochter Hertha hatte guten Kontakt u.a. zu Erich Kästner.
Die Nazis zwangen Bertha Simonsohn, ihr Haus samt Grundstück zu verkaufen. Das Geld wurde auf ein Konto eingezahlt, das ihr nicht zugänglich war. Dabei hätte sie dringend finanzielle Mittel gebraucht, um ihren schwerkranken Mann medizinisch zu versorgen. 1940 starb er. Nach seinem Tod wohnte Bertha in der Waisenstraße 57 in einem Haus, das früher ihrem Onkel James Gersman, dem letzten Vorsitzenden der Synagogengemeinde, gehörte und als als Sammelunterkunft für Potsdamer Juden diente.
Ihr Platz im Familiengrab auf dem jüdischen Friedhof Potsdam blieb leer. Heute existiert noch ihr rührender Abschiedsbrief an ihre Kinder.
Stolperstein für Bertha Simonssohn, geb. Gersmann. Brandenburgerstraße 19, 14467 Potsdam, Deutschland.


 


 

 

 

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