DAH ergänzt Präventionsstrategie um EKAF Empfehlung

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pillen_ostern01.jpg(red) Die Deutsche Aids-Hilfe hat ihre Präventionsstrategie kürzlich um eine Antwort auf die seit einem Jahr diskutierten EKAF Empfehlungen ergänzt: Das Risiko, sich beim Bareback-Sex anzustecken, ist unter bestimmten Voraussetzungen gering, erklärt die DAH in einem neuen Positionspapier. pdf 0904_dah-papier_hiv-therapie_und_praevention 10/04/2009,22:26 168.98 Kb


Mit ihrem neuen Ansatz will die DAH HIV-Positive "entstigmatisieren" und "irrationale Ängste" abbauen. Mit der seit über einem Jahrzehnt zur Verfügung stehenden antiretroviralen Therapie könne die Viruslast inzwischen so weit gesenkt werden, dass nach wissenschaftlichen Erkenntnissen eine Übertragung der Infektion bei "sexuellen Kontakten ohne Kondom ... unwahrscheinlich" sei. Lediglich drei Voraussetzungen müssten erfüllt sein: Erstens muss die Viruslast des HIV-positiven Partners seit sechs Monaten unter der Nachweisgrenze liegen. Zweitens müssen die antiretroviralen Medikamente konsequent eingenommen werden. Drittens dürfen bei den Sexualpartnern keine Schleimhautdefekte vorhanden sein. Diese sind häufig Folge sexuell übertragbarer Infektionen.

Die neue Botschaft ergänzt das jahrzehntealte Motto "Kondome schützen" - und soll die Lebensqualität von HIV-Positiven verbessern. Die Entscheidung gegen das Kondom führe nun nicht mehr zu Schuldgefühlen. Wenn Positive in einer Beziehung mit einem negativen Partner leben, werde auch diesem die Angst genommen, so die DAH.

Bei der letzten Welt-Aids-Konferenz waren diese Ansichten allerdings umstritten. So erklärten amerikanische Professoren, dass es nicht genug Langzeitstudien gebe, um diese Empfehlungen zu untermauern. Auch sei die Botschaft zu lang - bei vielen HIV-Positiven könnte lediglich im Kopf hängen bleiben, dass Sex ohne Kondom jetzt generell in Ordnung sei. Ausserdem weisen neueste Studien darauf hin, dass die Viruslast im Sperma noch wesentlich länger nachweisbar und auch höher ist, als in dem der Untersuchung zu Grunde liegenden Blutplasma. Auch das Robert-Koch-Institut und und die Bundeszentrale für gesungheitliche Aufklärung hatten in einer ersten Erklärung 2008 nach der EKAF Erklärung geantwortet, dass man wegen der Fehlenden Daten bei Homosexuellen keine Aussagen über Analverkehr treffen kann und daher keine Entwarnung für schwulen Sex erteilen können.

Die Deutsche Aids-Hilfe weist aber ausdrücklich daraufhin hin, dass ein Restrisiko besteht. Dies sei aber vergleichbar mit dem Restrisiko, das auch bei der Kondom-Benutzung vorhanden ist. "Ob der oder die Einzelne es akzeptiert, ist seine oder ihre autonome Entscheidung. Aufgabe der Prävention ist es, die nötigen Informationen für die Kommunikation über dieses Risiko und für das individuelle Risikomanagement zielgruppengerecht und an den Interessen der Zielgruppen orientiert bereitzustellen."

Insbesondere bei One-Night-Stands rät die DAH weiter zur Vorsicht: "Beim Sex mit Gelegenheitspartnern empfiehlt sich weiterhin die Verwendung von Kondomen, da die Bedingungen der regelmäßigen Kontrolle [von sexuell übertragbaren Krankheiten] (um die Abwesenheit von Schleimhautdefekten bei beiden Partnern zu überprüfen), der Kommunikation und der gemeinsamen Entscheidung hier in der Regel nicht gegeben sind."

Die Verantwortung liegt allerdings weiterhin beim Einzelnen. Man wolle lediglich Informationen geben, damit jeder "selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit den Risiken von HIV/Aids" umgehen kann. Positiven zu drohen, lehnt die DAH ab: Aus Respekt könne man Einzelne nicht zu "maximal präventivem Verhalten" zwingen.

Das Thema hat bereits vor gut einem Jahr für Aufsehen gesorgt. Damals hat die "Eidgenössische Kommission für Aidsfragen" (EKAF) dieselben Empfehlungen wie jetzt die DAH ausgesprochen und mit den Bedenken des RKI und der BZgA konfrontiert, geantwortet, dass ihre der Studie zu Grunde liegende Kohorte heterosexueller diskordanter Paare, also Menschen mit unterschiedlichem HIV-Status in ausreichendem Maße auch Analverkehr haben, so dass man die Freigabe der Kondombenutzung auch bedenkenlos auf diskordante homosexuelle Paare in fester Partnerschaft ausdehnen kann.

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