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Zeitzeugen der 70er, 80er und 90er gesucht!

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Ziele des Projektes
Im Rahmen des Landesaktionsplanes queeres Brandenburg wollen wir uns mit diesem Projekt an dessen Umsetzung beteiligen. Dabei setzen wir folgende Ziele um:

Erinnerung an die Anfänge von Emanzipationsbewegungen in der DDR und der Nachwendezeit.

Unterstützung der Archivarbeit der queeren Geschichtswerkstatt durch Zeitzeugeninterviews.

Nachhaltigkeit durch den Einsatz der Projektmittel bei anderen queeren Projekten.

 

Die allgemeine Situation der LesbischSchwulen Organisationen der 1970er und 1980er der DDR und die Abschaffung des § 151

1976 wurde im Rahmen des Zivilrechts die Möglichkeit gegeben einen Verein zu gründen. Eine Lesben- und Schwulen-Gruppe in Ostberlin, Homosexuelle in Berlin (HiB), versuchten eine Zulassung als Verein zu bekommen. Diese Anträge wurden mehrmals vom Magistrat der Stadt Berlin abgelehnt.

Im Jahre 1982 veranstaltete die evangelische Akademie Berlin und Brandenburg eine Veranstaltung zum Thema Homosexualität. Während dieser Veranstaltung versuchten sich mehrere Arbeitskreise zu bilden. Einer dieser Arbeitskreise war der AK Homosexualität bei der Evangelischen Studentengemeinde (ESG) Leipzig. Bekannter Aktivist war Eduard Stapel. Bis 1989 gründete er an mehreren Orten der DDR Homosexuellengruppen unter dem Dach der evangelischen Kirche.

Ein gutes Mittel als Bürger der DDR Einfluss auf den Staat auszuüben war, das Recht Eingabe/Beschwerden an die Behörden und andere staatliche Einrichtungen zu richten. So haben in den 1980er Jahren verschiedene Homosexuelle Arbeitskreise mehrere Eingaben an den Rechtsausschuss der Volkskammer der DDR gerichtet, um zu erreichen, dass der § 151 abgeschafft wird. Ein weiterer Grund für das Aus des § 151 war ein Kassationsurteil des obersten Gerichts der DDR am 11.08.1987. Dabei wurde ein Urteil eines Kreisgerichts wegen § 151 kassiert. Beim 5. Strafrechtsänderungsgesetz wurde am 14.12.1988 beschlossen, dass u. a. der § 151 gestrichen wird. Diese Änderung trat am 01.07.1989 in Kraft. So wurde in der ehemaligen DDR nach 171 Jahren die schwulenfeindlichen Gesetze § 175 und § 151 abgeschafft. Das Queere geeinte Deutschland musste noch bis 1994 warten.

Auch Filmschaffende der DEFA wie der Regisseur Heiner Carow versuchte mit dem Film "Coming Out" die gesellschaftlichen Verhältnisse für Lesben und Schwule in der DDR zu thematisieren und damit auch zu verbessern. Um die Erlaubnis für den Filmdreh durch das SED-Politbüro und das für die Kultur zuständige Mitglied Kurt Hager zu bekommen, war es notwendig zustimmendes Gutachten durch anerkannte Personen der DDR beizubringen. Regisseur Heiner Carow wandte sich deshalb mit der Bitte um Hilfe an Dr. Volkmar Schöneburg, der damals Wissenschaftler am zentralen Institut für Philosophie war. Die Dreharbeiten konnten dann durchgeführt werden. Um es mit Lothar Bisky zu sagen: "Die Mauer ist offen. Das Coming out war in jeder Hinsicht perfekt. Die Wirklichkeit hatte die Kunst überholt."

 

Umsetzung

Geplant ist die Durchführung einer Interviewreihe mit Zeitzeugen der Entstehung der Emanzipationsbewegungen von LSBTTIQ* in der DDR und in der Nachwendezeit. Hierfür werden die verschiedensten Personen, die aus der bisherigen Arbeit der Geschichtswerkstatt queeres Brandenburg im Kontext von lesbisch-schwuler Community sichtbar geworden sind, angesprochen und interviewt. Diese stammen aus Potsdam, Cottbus und Brandenburg an der Havel. Die Zeitzeugeninterviews werden durch die Geschichtswerkstatt inhaltlich vorbereitet, um möglichst viele Informationen über Entstehungsgeschichte, Zusammenhänge und weitere mögliche Ansprechpersonen zu erfahren. Das Vorbereitungsteam besteht aus dem Mitarbeitenden im Geschichtsarchiv sowie Studierenden der Universität Potsdam. Die Zeitzeugeninterviews stehen wissenschaftlichen Einrichtungen und Studierenden in den Bereichen Geschichte und Politik zur Sichtung zur Verfügung. Die Zeitzeugeninterviews werden zu Trailern geschnitten, die dann für dann für die Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Projekt verwendet werden können.