Günter Baaske: Grußwort zum CSD Potsdam 2014

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BaaskePFGrußwort des Ministers für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie zum Christopher Street Day Potsdam 2014

Liebe Veranstalter, liebe Besucherinnen und Besucher des CSD Potsdam,

als Schirmherr des diesjährigen CSD Potsdam grüße ich Sie herzlich und wün-sche Ihnen bunte und interessante Festtage. Es freut mich sehr, dass es den Veranstaltern erneut gelungen ist, für dieses traditionelle Stadtfest ein vielseiti-ges Programm aufzustellen, das das politische Anliegen des CSD gleicherma-ßen kulturell-anspruchsvoll wie touristisch-attraktiv vermittelt. Ich danke allen, die das leidenschaftlich und engagiert organisiert haben – und freue mich, wenn unsere Förderung zum Gelingen dieser Tage beitragen kann.

Unter den vielen Jubiläen des Jahres 2014 sind auch diese zwei: 45 Jahre CSD und 20 Jahre Abschaffung des § 175 Strafgesetzbuch. Beides Ereignisse, die das Land nachhaltig veränderten. Die Ereignisse 1969 in der New Yorker Chris-topher Street setzten ein Fanal: Gewiss nicht das erste Mal wehrten sich Men-schen gleichgeschlechtlicher Liebe und Lebensweise gegen ihre gesellschaftli-che Diskriminierung – doch erstmals taten es so viele und so entschlossen. Sie hatten nichts zu verlieren, denn sie waren bereits geächtet. Sie konnten nur ge-winnen, wenn sie auf ihre Situation aufmerksam machten. Ab diesem Tag rück-ten Diskriminierung und Menschenrechte stärker in den Fokus der Öffentlichkeit.

Die Toleranz und die Akzeptanz wuchsen, dass die bunte Vielfalt unserer Welt jedem Menschen ein selbstbestimmtes Leben in Achtung und Würde ermögli-chen muss. Wir leben alle in dieser Welt und wir haben nur diese eine. Es ist das große Verdienst dieses Tages, einer Entwicklung den Weg gebahnt zu haben, die eine gleichgeschlechtliche Lebensweise zunehmend als selbstverständlich betrachtet.

Dennoch dauerte es weitere 25 Jahre, bevor 1994 in Deutschland der unselige § 175 endlich abgeschafft wurde. Ein Relikt aus düsteren Zeiten, das über 120 Jahre Hunderttausende Menschen stigmatisierte und an den gesellschaftlichen Rand drängte. Es war wohl auch dem Zusammenwachsen „beider Deutschlands“ zu verdanken, dass dieser Unrechtsparagraf verschwand  - wurde Homosexuali-tät in Ost und West doch unterschiedlich behandelt und erst infolge der gesell-schaftlichen Veränderungen und der wachsenden Akzeptanz für alternative Le-bensweisen als Straftatbestand endgültig getilgt.

Was hat sich seitdem verändert; was wurde erreicht? Kann man sich heute „ou-ten“ ohne Furcht vor Diskriminierung? Ist die sexuelle Orientierung immer noch ein Stigma, das das Leben erschwert? Fragen, denen auch der CSD Potsdam auf seinen Veranstaltungen, Foren, Diskussionen immer wieder nachgeht. Ge-wiss: Jeder kann sich „gefahrlos outen“, doch mancher Lebenstraum lässt sich dann vielleicht weniger gut oder gar nicht realisieren, wie die öffentliche Diskus-sion nach dem späten Outing des ehemaligen Profifußballers Thomas Hitzlsper-ger zeigte. Homosexualität ist immer noch mit Vorurteilen verbunden; mit diffu-sen Ängsten, die größtenteils aus Unkenntnis resultieren. Es sind vor allem sol-che Vorurteile, die es den Schwulen und Lesben, Bisexuellen und Trans*Menschen auch heute noch erschweren, ein „ganz normales“ Leben füh-ren zu können. Und was „normal“ ist – das muss jede und jeder für sich selbst bestimmen und mit sich ausmachen können.

Landesverfassung, Lebenspartnerschaftsgesetz, Antidiskriminierungsgesetz waren und sind mit ihrer aktuellen Rechtsprechung wichtige Schritte dahin. So wurde schon vieles erreicht, aber manches steht noch aus – wie etwa ein „per-fektes“ Adoptionsrecht. Doch die verbrieften Rechte allein werden nicht automa-tisch gesellschaftliche Realität – denn bis alternative Lebensformen in der öffent-lichen Wahrnehmung allseitig respektiert und akzeptiert sind, müssen wir noch viele zähe Brocken beseitigen. Das Ringen um die Rechte von Minderheiten, um die Anerkennung unterschiedlicher Weltanschauungen, um die sexuelle Identität bleibt also höchst aktuell.

Es ist der brandenburgischen Landesregierung ein wichtiges Anliegen, mehr Verständnis und Gemeinsamkeit füreinander zu entwickeln. Auch deshalb ist es gut, dass es diese Tage im weltoffenen Potsdam gibt. Der CSD 2014 lädt mit seinem Kaleidoskop bunter Veranstaltungen zu einem toleranten Miteinander ein und demonstriert eindrucksvoll die Vielfalt unserer Welt. Jeder soll nach seiner Fasson leben und lieben dürfen – auch das hat Brandenburger Tradition.

Ich wünsche dem Potsdamer CSD 2014 ein neugieriges, aufgeschlossenes und interessiertes Publikum, offene Gespräche, spannende Diskussionen, bunte Veranstaltungen – kurz: Tage, die uns helfen, Diskriminierung und Vorurteile verschwinden zu lassen. Viel Erfolg und viel Spaß!

 
Günter Baaske

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