Das Gefahrenpotential für schwule Flüchtlinge ist sehr groß

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witschakDer Potsdamer Schwulenaktivist und Mitstreiter des Katte-Vereins Jirka Witschak (Foto: privat) hat das Opfer Nuruddin A. zum Prozess begleitet.

MAZ: Sehen Sie einen schwulenfeindlichen Hintergrund?

Jirka Witschak: Ja, ganz klar. Wer dem Angeklagten zugehört hat, hat genau gespürt, dass es ihm auch darum ging, gegen das Opfer als schwulen Menschen vorzugehen. Er hat ihn immer wieder beschimpft und zugegeben, dass er heute sogar noch aggressiver vorgehen würde. Für den Angeklagten ist völlig klar, dass ein Schwuler ein Mensch zweiter Klasse ist. Das rührt sicher aus seiner Erziehung her, aber es wurde auch klar, dass er keinerlei Unrechtsbewusstsein hat.

Sind Ihnen andere Vorfälle aus dem Asylbewerberheim bekannt?

Witschak: Es gibt durchaus Fälle im Land Brandenburg. Wir vom Katte-Verein beraten auch Menschen in Asylbwerberheimen. Sie leben ganz versteckt, wollen sich nicht outen und tun alles dafür, um nicht entdeckt zu werden. Im Heim wird sich niemand freiwillig zu seiner Homosexualität bekennen – manch einer definiert sich nicht einmal als schwul, weil er in einer Welt aufgewachsen ist, wo das das Allerschlimmste ist. Für Asylbewerber ist es daher schwer, Beratungsangebote wahrzunehmen. Mit dem Potsdamer Heim arbeiten wir sehr gut zusammen. Im aktuellen Fall war der größte Teil der Arbeit, dass Nuruddin überhaupt erst so selbstbewusst im Gerichtssaal sitzen und erzählen kann, dass er erkennt, dass er einfach so ist und stolz sein kann.

Bedürfen homosexuelle Flüchtlinge einer besonderen Fürsorge?

Witschak: Das Gefahrenpotential ist für sie sehr groß. Dazu trägt schon die Wohnsituation bei. Die Flüchtlinge leben auf engstem Raum, viele sind traumatisiert, sie sind in der Fremde und wissen nicht, was kommt. Da brechen Konflikte auf und es besteht immer die Möglichkeit, dass sich jemand in einer so belastenden Situation ein Opfer sucht.

Welche Angebote gibt es?

Witschak: Einige Beratungsstellen sind hier sehr sensibilisiert und wenden sich auch an uns um nach Lösungen im Sinne der Opfer zu suchen. Dabei koordinieren wir uns zu den verschiedenen aufgeworfenen Themenkomplexen. Das leisten wir als Katte e.V. alles ehrenamtlich – und der Aufwand ist gerade bei Füchtlingen wahnsinnig groß. Ideal wäre es, wenn Berater schon Zugang zum Flughafenknast hätten, denn viele Flüchtlinge werden abgeschoben, ohne zu wissen, dass ihre Homosexualität ein Asylgrund ist. Sie werden allein gelassen und können ihre Rechte nicht wahrnehmen. Wichtig ist auch, Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen, sonst ist der Clash der Kulturen programmiert.

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