Celluloid gegen Aids

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CAA_-_viereckig(Gaybrandenburg - Land und Leute) Er sieht mindestens 4 Filme in der Woche. Das macht 16 Filme im Monat. Achtung jetzt brauche ich den Taschenrechner: Macht 192 Filme im Jahr. Minimum. Ich frage den Potsdamer Manuel Schubert 26 Jahre, über den nicht-heterosexuellen Film und seine Pläne zum Welt – Aids - Tag aus.

Kann Kino süchtig machen?
Da fragst du einen Filmjunkie das Falsche! Kino ist Leben unter einem Brennglas auf 90 Minuten reduziert. Ja Kino macht süchtig. Mein Fetisch heißt Leben.

Am 1. Dezember findet  im Potsdamer Filmmuseum, das erste Mal eine Filmnacht zum Welt – Aids - Tag statt. Statt  „Philadelphia“ sehen wir Derek Jarmans „Blue“. Warum?

 

Philadelphia ist eindimensional und völliger Kitsch. Er steht für das was nicht - infizierte Menschen auch Heute noch unter HIV verstehen. Nämlich Tod und Verderben. „Blue“ hat eine zentrale Botschaft des Regisseurs: Ich lasse mir mein Leben nicht nehmen und trotz der Infektion mit dem HI-Virus werde ich weitermachen. Es ist der persönlichste Film von Derek Jarman. Sehr anders als all seine vorhergehenden Werke. Die Qualität des Films rührt von seiner ungebrochenen Aktualität, auch heute nach 20 Jahren. Er macht Mut, sich gegen gesellschaftliche Stigmatisierung, akute Ausgrenzung und Diskriminierung zu wehren.
Ausgrenzung? Es gibt doch lauter Rote Schleifen zum Welt-Aids-Tag?
Die Realität ist eine andere? Für HIV-Positive wird sehr gern und sehr schnell der öffentliche Scheiterhaufen angezündet. Es sind dieselben Reflexe wie zu den Zeiten von Franz – Joseph Strauß als der Internierungslager für HIV-Positive und AIDS-Kranke forderte. Die Mehrheit der Deutschen ist nach wie vor auf dem Stand von 1982/ 83. Der Nadja Benaissa - Prozess und die öffentliche Diskussion hat das ja mehr als  deutlich gezeigt.


Laut diverser Umfragen wissen wir doch alle Bescheid?
Es ist eine krude Mischung die mich nicht loslässt. Zum Einen die teilweise sehr heftige Ablehnung, die HIV-Positive gerade aus ihrem persönlichen Umfeld trifft, wenn sie sich outen. Und zum anderen die Verlogenheit in den diversen Fickportalen. Safer Sex wird angegeben. Ungeschützt wird gefickt. Hauptsache er sieht gesund aus.  Wir dürfen auch die Verdrängungsmechanismen der Betroffenen und der Nicht – Betroffenen die sich nach 25 Jahren Safer Sex – Kampagnen entwickelt haben nicht vergessen.

Wer muss denn heute noch über HIV/Aids aufgeklärt werden?

Wer ist denn aufgeklärt? Außer denen die infiziert sind und monatlich bei ihrem Arzt sitzen? Das für die heutige schwule Identität alles bestimmende Thema HIV wird immer mehr verdrängt. Es ist selten dass Aids im heutigen nicht-heterosexuellen Film eine Rolle spielt. Da habe ich wirklich lange suchen müssen. Und so gut wie nichts aus der heutigen Zeit gefunden. Umso spannender war es in die Anfänge von Aids zurückzukehren. Neben Blue zeigen wir auch den Film….

Was kann ein  Kinofilm erreichen?
Ich glaube an die Überzeugungskraft des Kinofilms. Dieser kann wie kein anderes Medium Emotionen wecken und die Auseinandersetzung mit dem Thema beim Zuschauer erzeugen. Ein Präventionsvideo auf Youtube ist schnell weggeklickt.  Wenn man erst im Kino sitzt kann man nicht so schnell flüchten.

Darf man heute HIV mit dem Glamour einer Aids - Gala verbinden?

Konnte man das jemals? Sicherlich liegt es an der Wiener Balltradition wenn ein Lifeball erfolgreich ist. Man muss Heteros das Recht absprechen mit HIV und altbackener Travestie á la Mary Glamour zu erzeugen. Für mich gehört Glamour und HIV in die von HIV am meisten betroffene Szene: Schwule Jungs und Männer. Anthony and the Johnsons, die TUNSI oder meinetwegen auch Klaus Wowereit sind für mich Szenehelden, die wir brauchen und die aufklären müssen. Und zwar genau dort wo Schwule unterwegs sind: im SCHWUZ, Gayromeo oder den Cruising - Areas.

Auf der Potsdamer Aids – Gala ist der Homofaktor ja bei weitem unter der Nachweisgrenze. Passen Schwule und Aidshilfen in Brandenburg überhaupt zusammen.
(lacht) Der Eindruck lässt sich ja kaum von der Hand weisen. Aids – Hilfe entfernt sich immer mehr von der Kerngruppe der Betroffenen. Die Verinstitutionalisierung  der Krankheit birgt auch die Gefahr dass Betroffene nicht mehr zu Wort kommen. Nach über einem halben Jahr Wartezeit habe ich es aufgegeben Mitglied der Aidshilfe Potsdam zu werden. Die wissen offensichtlich nicht was Multiplikatoren in der Zielgruppe sind.

Was wünscht Du dir für die Filmnacht?
Ich will vor allem das filmische Interesse von Heteros wie Nichtheteros wecken. Vielleicht kriegen wir mit diesem Welt -Aids – Tag auch einen neuen Ansatz in der Diskussion um dieses Thema hin.  Aids ist heute vor allem eine soziale Krankheit. Für mich der Ansatz zur Prävention bei Nichtinfizierten und mehr Solidarität mit Positiven.

 


www.multicult.de

www.filmanzeiger.de

www.filmmuseum-potsdam.de

www.LOVE-SEX-SAFE.de


Interview: Adolar
Foto: APP

 

 

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