Klaus Lederer: Dulden heißt beleidigen

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Klaus Lederer zum Beschluß des Berliner Senats über die Akzeptanzkampagne gegen Homophobie

Klaus_Lederer_-_Portrt(Blu - Ostdeutschland, April 2010) Der Bäcker, der mal eine Bäckerin war, der DJ, der Damenunterwäsche trägt, die Sängerin, die Männer besingt, aber Frauen küsst - das sexuelle Spektrum ist vielfältig. Aber fast nie lassen äußere Faktoren Rückschlüsse auf Privatleben und Intimsphäre zu. "Es läuft ja keiner mit einem Schild herum, wo draufsteht, welche Musik er hört, mit wem er schläft oder ob er als Mann oder Frau geboren wurde - warum auch, geht ja niemanden was an",

Etwa 10 % der Gesellschaft, davon geht man heute aus, fühlen sich erotisch zum gleichen Geschlecht hingezogen. Viele wollen sich nicht mehr verstecken, überfordern schlichte Gemüter aber oft damit, wenn sie plötzlich sichtbar sind. "Besonders der CSD als politische Großveranstaltung ist weltweit Symbol für den Kampf um Anerkennung, denn Politik und Medien messen die Macht und Bedeutung dieser Gruppe vor allem daran, wie viele Menschen sich öffentlich zu ihr bekennen",


Noch genießt Berlin einen Ruf als Homohochburg im Osten, doch in den letzten Jahren haben unzählige körperliche und verbale Angriffe gegenüber Homosexuellen und Trans* eine Atmosphäre erzeugt, die von Angst geprägt ist und Minderheiten gegeneinander aufbringt.Wir erinnern uns  "Es war vor drei Jahren im MANEO (Schwules Antigewaltprojekt in Berlin, Anmerkung der Red.) - da waren gerade neue Übergriffe auf Schwule und Lesben in Berlin ganz groß in den Medien und die Diskussion war mal wieder ins rassistische abgedriftet",  der Für mich ein Grund aktiv mitzugestalten und zu verändern.

Nun bin ich erleichtert, denn das 24 Punkte umfassende Maßnahmenpaket gegen Homophobie, für dessen Realisierung er gekämpft hat, wurde jetzt  vom Senat abgesegnet.

Obwohl Homosexuelle und Trans* in Deutschland nicht mehr von Gefängnis bedroht sind, weil die gesellschaftliche Ablehnung sich größtenteils in Toleranz verwandelt hat, gilt es nun, diese "Duldung von etwas Unnormalem" in echte Anerkennung weiterzuentwickeln. Die Initiative "Berlin tritt ein für Selbstbestimmung und Akzeptanz sexueller Vielfalt" finanziert damit Maßnahmen zur Aufklärung, Schulung, Beratung und Kampagnen und unterstützt ziviles Engagement für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung. Konkret bedeutet dies, dass Lehrer, Sozialarbeiter, Mitarbeiter der Polizei und Führungspersonal der Verwaltung aus- und weitergebildet werden und der Dialog mit der Einwanderergesellschaft sowie der Erfahrungsaustausch Betroffener gefördert werden. Berlin stellt dafür in den Jahren 2010/11 2,1 Millionen Euro zur Verfügung.

Bleibt zu hoffen, dass queere Politik in Ost- und Mitteldeutschland durch die Initiative soweit mit beeinflusst wird, dass der Osten nicht nur mit Berlin eine weltoffene, homofreundliche Metropole zu bieten hat.

Klaus Lederer ist Chef der Berliner Linkspartei und schwul.
Der Kommentar wurde übernommen von unserem Kooperationspartner Blu - Ostdeutschland.

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