Schwule Filmnacht

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DR3I - von Geschlechtern, Identitäten und Bettgenossen
Eine Filmnacht über mehr als eine Zahl

21. April 2010, 18:00Uhr, Filmmuseum Potsdam, Breite Straße , 14467 Potsdam, Programm über www.gaybrandenburg.de und www.filmanzeiger.de

Es heißt, Sex mache zu dritt erst richtig Spass. Es heißt, eine Beziehung zu dritt kann nur schief gehen. Es gibt Homosexuelle und Heterosexuelle, und Transsexuelle. Es gibt männlich und weiblich, und transident. Es gibt zwei Männer und eine Frau, zwei Frauen und einen Mann, drei Frauen, drei Männer - in einer Familie. Es gibt Zweisamkeit, die durch einen Dritten bereichert werden kann - oder zerstört wird. Es gibt mehr als Mutter, Vater, Kind. Und wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte.

Dreisamkeit, das ist neben einer rhetorischen Spielerei vor allem eine der herausfordernsten Arten menschlichen Zusammenlebens. Logisch, dass das Kino und das Filmemacher daran seit Generationen nicht vorbeikommen. Große Werke der Filmgeschichte handelten von der Dreisamkeit und ihren Licht- und Schattenseiten, vornehmlich in heterosexuellen Lebenswelten. Blendet man einmal die heile heteronormative Welt des Mainstreamkinos aus, wird es unübersichtlich, herausfordernd - bereichernd.

Mit den unzähligen (sexuellen wie nichtsexuellen) Beziehungsformen kennen sich homosexuelle Männer im Regelfall noch bestens aus und das schwule Kino mit ihnen. Doch was, wenn die eigene sexuelle Identität, oder das eigene Geschlecht nicht mehr so einfach und selbstverständlich zu bestimmen ist? Wenn die Fragen zahllos werden und die Antworten kaum zu finden sind?

Eine Schwule Filmnacht als filmische Erkundungstour in drei Kapiteln.


Schwule Filmnacht Potsdam

Eine Potsdamer Journalistin fragte mich in einem Interview, ob es den „schwulen“ Film, das „schwule“ Kino überhaupt geben könne? Ihre Spitzfindigkeit hat einen wahren Kern. Schwul, das kann nur ein Mensch sein, aber keine Orte oder Künste. Es sei denn, der Begriff „schwul“ wird als Schimpfwort verwendet, ein beliebter Sport. Schwules Kino, schwuler Film – das ist logischerweise eine Verknappung. Verknappung von was eigentlich?

Eine Lovestory zwischen zwei Männern – das (heterosexuelle) Mainstream-Kino kennt hier nur eine Konsequenz: Einer der beiden stirbt, auf jeden Fall hat ihre Liebe keine Zukunft. Immer noch, nach 40 Jahren schwuler Emanzipation. Eine Lovestory, Urschleim des Kinofilms, aus schwuler Sicht zu erzählen hat bis in die 70er Jahre gedauert; für ein Happy End, für einen Kuß zwischen zwei Männern auf der großen Leinwand. Eigentlich ist es ganz einfach: „Unsere“ Geschichten, erzählt von Menschen für die „unsere“ Geschichten auch die eigenen sind. Die Geschichten der Anderen zu sehen und auf die eigene Situation umzudichten, kommt dem nicht gleich. Im Gegenteil: Es deformiert. Heute scheint das schwule Kino eine Selbstverständlichkeit, zum Glück! Schaut man sich an, was von diesen Filmen aber tatsächlich in die Kinos kommt, stellt sich schnell Ernüchterung ein. Und das insbesondere außerhalb der Großstadt.

Die Schwule Filmnacht versucht dieser Ernüchterung etwas entgegen zu setzen. Schwules Kino  gibt es auch in Potsdam, wenigstens einmal im Jahr! Einen Abend lang, für drei Vorstellungen, ist das Filmmuseum Potsdam dabei fest in der Hand des homosexuellen, des schwulen Films, ein schwules Mini-Festival, ein Filmfest. Wahllos gehen wir dabei nicht vor. Ein zentrales Thema, ein roter Faden bestimmt jede Filmnacht und die Filmauswahl; „Streit“, „Mütter, Väter, schwule Söhne“, „DR3I - von Geschlechtern, Identitäten und Bettgenossen“. Das ein kommunales Kino wie das Filmmuseum dem schwulen Film eine Bühne bietet, ist auch heute noch keine Selbstverständlichkeit. Die Schwule Filmnacht ist daher auch ein Bekenntnis: Wir, als schwule Kulturmacher stehen zu einer der wichtigsten Institutionen der Potsdamer Kulturlandschaft. Und das Filmmuseum bietet bereitwillig seine Räume, seinen Projektor und seine Mitarbeiter auf, um schwulen Film den Potsdamern zu zeigen. Die Schwule Filmnacht Potsdam erfindet das Rad nicht neu, aber sie aktualisiert den Anspruch, schwulen Film auch dort zu sehen wo man Zuhause ist.

Text: Manuel Schubert
Foto: APP - Agentur

Links:
www.schwulefilmnacht.de
www.filmmuseum-potsdam.de

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