Jetzt kommt die öffentlich geförderte Telefon-Offensive

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Ab sofort hat Brandenburg zwei schwul-lesbische Überfall-Hotlines: Das ehrenamtlich betriebene 'AGNES' bekommt nach zwei Jahren plötzlich vom Land finanzierte Konkurrenz

telefon01.jpg (red) 'Persönliche und telefonische Beratung von Gewaltopfern', 'Hilfe bei der Verarbeitung der Gewalterfahrung', 'Vermittlung von Rechtsanwälten und Ärzten', das will der brandenburgische Dachverband AndersARTiG. e.V. zukünftig per Hotline anbieten. In Kooperation mit dem Verein 'Opferperspektive' und der Koordinierungsstelle 'Toleantes Brandenburg' des brandenburgischen Sozialministeriums. Unter der Potsdamer Festnetz- Rufnummer 0331/8170770 will man zukünftig Schwulen und Lesben, die insbesondere rechtextremistischer Gewalt zum Opfer gefallen sind, Hilfe und Beratung anbieten. Am Dienstag (17.06.) wurde die Hotline im Begegnungszentrum von AndersARTiG offiziell freigeschaltet und der landesweit verfügbare Service somit eröffnet.

Große Verunsicherung löste diese Nachricht allerdings im ehrenamtlichen Beraterteam des schwul- lesbischen Antigewaltprojektes 'AGNES' aus. Unter dem Dach von Katte e.V. berät man in Zusammenarbeit mit dem Schwulen Berliner Überfalltelefon Maneo schon seit längerem Gewaltopfer aus dem gesamten Land Brandenburg, auch telefonisch: Unter der einheitlichen Rufnummer 0700-000-19228 ist bisher zweimal wöchentlich ein kompetenter Ansprechpartner zu erreichen. "Genau das, was da jetzt feierlich in Betrieb gehen soll, machen wir unabhängig von öffentlichen Fördermitteln seit knapp zwei Jahren schon", verleiht Carsten Bock, Katte-Vorstand, seinem Unmut Ausdruck. Er sieht das ehrenamtliche Projekt in Gefahr: "Da will plötzlich eine landesfinanzierte Einrichtung die Aufgaben unserer Ehrenamtler übernehmen. Was will man denn damit für ein Zeichen setzen?" Bock wirft dem Dachverband, den Betreibern und Förderern der neuen Hotline zerstörerisches Handeln vor: "AndersARTiG entfernt sich mit seinem Handeln zusehends von der brandenburgischen Community." Statt die existierenden Angebote zu unterstützen und mit den Anbietern zu kommunizieren, versuche man sich hier "...letztlich nur um jeden Preis die eigenen Pfründe zu sichern".

Bocks Vorwürfe gründen sich offenbar auf eine ganze Reihe von Vorkommnissen der letzten Zeit: Es gibt inzwischen einen teilweise sogar offen ausgetragenen Streit zwischen Katte und AndersARTiG. Beide landesweit agierenden Vereine scheinen ihre Kommunikation teilweise in die Medien verlegt zu haben. Eine Debatte um die Notwendigkeit einer Fluchtwohnung für junge Schwule und Lesben füllt seit Wochen die Zeitungen (gaybrandenburg berichtete). Auf den Leserbriefseiten der Potsdamer Neuesten Nachricheten (PNN) wird der Leiterin der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule Belange im übertragenen Sinne sogar Realitätsferne vorgeworfen. Jedweder Ansatz beider Vereine zu gemeinsamem Handeln scheint im Keim erstickt. Selbst eine im Rahmen des CSD-Brandenburg2008 im April angekündigte beiderseitige Erklärung und Arbeitsgrundlage von Katte und AndersARTiG soll vom Dachverband angeblich bis heute verhindert worden sein.

Die ehrenamtlichen 'AGNES'-Mitarbeiter fühlen sich nun selbst als Opfer in einem Streit der Verbände, den es wahrscheinlich nicht gäbe, wenn der Dachverband sich aufgrund verschiedener Aktivitäten in der Community nicht vordergründig um die weitere Finanzierung seiner öffentlich geförderten Strukturen sorgen würde.

Infos zu AGNES: www.agnes-brandenburg.de

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