Prosecco wird immer getrunken

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Alles begann 1969 in New York. Judy Garland war gerade gestorben. Die Homosexuellenszene war in tiefer Trauer. Die New Yorker Polizei tat das, was sie immer tat. Sie führte eine ihrer üblichen Razzien im "Milieu" durch. Diesmal in der Bar "Stonewall In". Die Legende erzählt nun folgende Geschichte. Zuerst schlug, frustriert über die andauernde Brutalität der New Yorker Polizei, eine Lesbe zu. Dann taten es alle anwesenden Stricher, Transen (diesen Begriff gab es damals noch), Prostituierten und Tunten der Lesbe gleich. Was darauf folgte, waren dreitägige Auseinandersetzungen und eine veritable Straßenschlacht. Der "Abschaum" der Gesellschaft initiierte also eine weltweite Emanzipationsbewegung.

1979 fiel der Startschuss für den Berliner CSD. Zur Erinnerung das Kürzel CSD steht für den Christopher Street Day, also der Straße in der sich die Bar "Stonewall In" befand und in, welcher sich Tausende New Yorker solidarisierten und sich gegen die oft gewalttätige Willkür der New Yorker Polizei wehrten. Inzwischen ist der Berliner CSD ein Teil der Gesellschaft, zumeist mit Live - TV - Übertragung, Sponsoren und Präsenz der gesamten LSBTTIQ*_- Community. Getragen und organisiert wird diese politische Demonstration vom Berliner CSD e.V. Und hier liegt seit mehreren Jahren die Krux. Das Projekt ist gewollt oder nicht gewollt ein Unternehmen geworden. Wer Hunderttausende auf die Straße bringt, muss sich mit Toiletten, Straßenabsperrungen und Sicherheitsstandards auseinandersetzen. Das ist nicht politisch, sondern eine Frage des Geldes und der Organisationsstruktur. Das Wort von der Kommerzialisierung macht die Runde. Um sich vor solchen vermeintlichen Vorwürfen und negativen Adjektivierungen zu schützen, hat der vornehmlich links-feministische Vorstand des Vereines in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen, die für echte Diskussionen sorgten. Zuerst die Vergabe des Zivilcourage-Preises an die Geschlechter-Theoretikerin Judith Butler, die mit Rassismus - Vorwürfen gegenüber dem CSD Berlin aufwartete und im letzten Jahr der Rausschmiss der CDU von der Homosexuellen-Parade.

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Nun also der nächste Skandal. Der Verein benennt den CSD (Christopher Street Day) in Stonewall (Bar) um. Der Ankündigung sind längst Taten vorausgegangen. Die Wortbildmarke CSD Berlin (Marke 30322427) eingetragen am 08.03.2004 durch den CSD Berlin e.V. vertreten durch die Rechtsanwältin Gräfin von Bernstorff ist mit Auslauf des Schutzendedatums am 31.05.2013 durch das Deutsche Patent- und Markenamt gelöscht. Noch der alte Vorstand, es ist seit einigen Tagen ein neuer Vorstand gewählt, trug die Wortmarke STONEWALL am 29.11.2012 beim selben Amt unter der Registernummer 032013010460 ein. Vertreten durch die Rechtsanwälte Schulze, Kluge & Partner. Ganz nebenbei Vorstandsfrau Sissy Kraus ist genau in dieser Anwaltskanzlei tätig. Ob der Verein nun seinem eigentlichen Ziel nahekommt, mit der Umbenennung des CSD`s in Stonewall, politischer zu werden und für mehr Rechte von Homosexuellen auch in Osteuropa zu sorgen, darf arg bezweifelt werden. Nicht nur das die Marke CSD Berlin derzeit schutzlos ist. Eine Eintragung dürfte etwa 3.000 - 5.000 Euro kosten, sondern es ist in diesem Moment noch gar nicht sicher ob die Eintragung der Marke Stonewall beim Deutschen Marken- und Patentamt gelingt. Denn STONEWALL konkurriert mit zwei anderen Eintragungen. Zum einen mit der Weinmarke (inkl. Schaumwein, also auch Prosecco) STONE WALL von Joan Sarda aus Castellbisal (Spanien). Zum anderen ist es die Wortbildmarke SW 1969 STONEWALL 1969 THE NEXT DAY. Beiden Marken ist gemein, dass sie sich ihre Eintragung neben alkoholischen Getränken, auch auf Papier, Pappe und Waren aus diesen Materialien beziehen. Und nicht nur das, auch Fotografien, Künstlerbedarfsartikel, Lehr und Unterrichtsmittel, Regen- und Sonnenschirme sowie Sattlerwaren wie Peitschen sind in dem Markenschutz einbegriffen.

Im schlimmsten Fall kann folgendes Szenario eintreten. Jeder Mann und jede Frau kann sich die Wortbildmarke CSD Berlin patentieren lassen mit ungewisser Gefahren- und Folgenabschätzung für die Berliner Homosexuellenparade. Die Eintragung der Marke STONEWALL läuft Gefahr sich im Widerspruchsverfahren beim Deutschen Marken- und Patentamt zu verfangen. Tatsächlich dürfte es schwer sein potentielle Sponsoren unter solchen Umständen anzuwerben. Ein Widerspruchsverfahren kann sich zudem durchaus mehrere Jahre hinziehen. Freuen können sich aber im jeden Fall die Inhaber der beiden eingetragenen Markenrechte. So viel Gratiswerbung durch einen Stonewall Berlin kann niemand bezahlen. Und Prossecco wird immer getrunken, egal ob Party oder politische Demonstration.

 


Autor: linius gayBrandenburg

 

Foto: flora smoke gayBrandenburg

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