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III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.0. - Sensibilisierung für LSBTTIQ*-Belange als Querschnittsthema

LSBTTIQ* in allen Bereichen des öffentlichen Lebens sichtbar zu machen, führt in der Folge zu mehr Information und Aufklärung der Bevölkerung und trägt damit zu gesellschaftlicher Akzeptanz bei. Damit wird insgesamt ein offeneres gesellschaftliches Klima geschaffen, in dem alle Menschen unabhängig von ihrer geschlechtlichen Identität und sexuellen Orientierung ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben führen können. Dabei soll es gleichgültig sein, ob jemand in einer größeren Stadt wie Potsdam lebt oder in einem kleinen Dorf, beispielsweise in der Prignitz. Auf die Belange von LSBTTIQ* aufmerksam zu machen sowie Benachteiligungen und Diskriminierungen entgegenzuwirken, betrachtet die Landesregierung als ein wichtiges Anliegen, dem auch der vorliegende Aktionsplan dient. Zugleich wird damit unterstrichen, dass es sich um eine Querschnittsaufgabe für alle Politikfelder handelt.

Kinder sollten möglichst früh in altersgerechter Form mit der Vielfalt von Lebensweisen bekannt gemacht werden, um sich eine eigene Meinung bilden zu können und einen selbstverständlichen Umgang mit Vielfalt zu entwickeln. Es ist also wichtig, dass sie bereits im Kindergartenalter Offenheit und Toleranz vorgelebt bekommen. Familien sollen dabei durch Kindertagesstätten und Schulen im Rahmen ihres Bildungsauftrages Unterstützung erhalten.

In fast jedem Themenfeld des „Aktionsplans Queeres Brandenburg“ geht es ganz wesentlich darum, die Personen, die mit LSBTTIQ* im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit zu tun haben, für deren Belange und besonderen Probleme zu sensibilisieren. Es ist wichtig, die Thematik LSBTTIQ* in ihrem täglichen Handeln im beruflichen Kontext zu berücksichtigen. Anderenfalls kann durch Unkenntnis womöglich eine - wenn auch ungewollte - diskriminierende Handlung entstehen. Die Diskriminierung hinterlässt Spuren bei den Betroffenen und kann zu einer Zugangsbarriere für LSBTTIQ* führen wie z.B. zu Bildung oder zum Beruf.

Aus diesem Grund hält es die Landesregierung für elementar, das Thema Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in den Ausbildungsinhalten und Fortbildungsmodulen für viele Berufsgruppen grundlegend zu verankern. Die Landesregierung und ihre Mitglieder im Rahmen ihrer Ressorthoheit setzen sich dafür ein, dass die Thematik in den entsprechenden Ausbildungscurricula angemessene Berücksichtigung findet; beispielhaft genannt seien hier die landesrechtlichen Ausbildungsregelungen zum*r Erzieher*in, Heilerziehungspfleger*in, zur Gesundheitspfleger*in oder beim Altenpflege- und Betreuungspersonal in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen in der Eingliederungshilfe. Auch im Bereich der Fort- und Weiterbildung muss das Thema LSBTTIQ* präsent und durch entsprechende Angebote untersetzt sein.

Aktuell werden bereits im Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) zahlreiche Fortbildungsangebote zu den Themen „Vielfalt von Lebenswelten gestalten“ oder „Vielfalt und Inklusion/Integration“ angeboten.(*10) Somit gelangt das Thema zunehmend in den Blickwinkel von Multiplikator*innen.

Die Regenbogenflagge ist das Symbol der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans*, Inter* und queeren Menschen für Solidarität, Gleichberechtigung und für ein friedliches respektvolles Miteinander. Sie ist ein wichtiges und einendes Symbol für die Vielfalt der LSBTTIQ*-Gemeinschaft, welche bei unterschiedlichen Anlässen wie dem Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT jeweils am 17. Mai) oder zum Christopher Street Day in vielen Städten und Regionen Brandenburgs gehisst wird. Die Regenbogenflagge trägt wesentlich zur Sichtbarkeit von LSBTTIQ* bei. Somit kann das Hissen der Regenbogenflagge als Ausdruck von Akzeptanz und Toleranz in der Gesellschaft verstanden werden. Ausgehend vom Aktionsplan soll dafür geworben werden, dass in den kommenden Jahren noch mehr brandenburgische Rathäuser die Regenbogenflagge hissen. Der Fahnenerlass (*11) des Landes soll so geändert werden, dass die Hissung von Regenbogenflaggen erfasst ist. Als Vorbild kann hier der Landtag Brandenburg dienen, der seit 2016 zum IDAHOT entsprechend beflaggt wird.


(*10) URL: http://sfbb.berlin-brandenburg.de/sixcms/media.php/bb2.a.5723.de/Programm_sfbb_2017.pdf . Zuletzt abgerufen am 18.09.2017.

(*11) BRAVORS-Link: http://bravors.brandenburg.de/de/verwaltungsvorschriften-220492. Zuletzt abgerufen am 18.09.2017.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.1. - Handlungsfeld - Bildung und Aufklärung

Bildung und Aufklärung sind wichtige Ansatzpunkte für die Akzeptanz von Vielfalt. Dies kommt bereits im Koalitionsvertrag für die laufende Wahlperiode zum Ausdruck. Ausgrenzung, weil jemand nicht der vermeintlichen Norm in seinem familiären, schulischen, beruflichen oder städtischem Umfeld entspricht, geschieht oft aus Unkenntnis und Angst vor dem Unbekannten. Bildungsangebote und Aufklärung können dem entgegenwirken.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.1. - Handlungsfeld - Bildung und Aufklärung
III.1.1. - Kindertagesstätten

Die Kindertagesstätte ist einer der ersten Orte, um Kinder für die unterschiedlichsten Lebensweisen und Familienkonstellationen zu sensibilisieren und schon im Kindesalter der Entwicklung von vorurteilsbehafteten Haltungen entgegenzuwirken. Sie hat einen alters- und entwicklungsadäquaten Bildungsauftrag, der die Vermittlung von Grundwissen über den eigenen Körper umfasst (siehe § 3 Absatz 1 Satz 1 KitaG). Ferner soll über die verbindlichen Grundsätze elementarer Bildung im Bildungsbereich „Soziales Leben“ der Umgang mit Vielfalt durch das Erkennen von Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen sich selbst und anderen Kindern erlernt werden. Eine wertschätzende und vorurteilsfreie Pädagogik, die die Vielfalt der unterschiedlichsten Lebenssituationen oder Geschlechtsvarianten berücksichtigt, unterstützt die Entwicklung der Kinder hin zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit und trägt zu einer offenen Gesellschaft bei. Damit dies gelingt, sind die pädagogischen Fachkräfte sowie die Mitarbeiter*innen in der Kindertagesstätte wichtige Multiplikator*innen. Sie sollten durch Fortbildungsangebote und altersgerechte pädagogische Materialien bei ihrer Bildungsarbeit unterstützt werden, um die Unsicherheit bei diesem Thema zu verlieren und das jeweilige Elternhaus einbeziehen zu können.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.1. - Handlungsfeld - Bildung und Aufklärung
III.1.2. - Schule und berufsbildenden Schulen

Ebenfalls wichtig, um Kinder und Jugendliche für die Vielfalt von geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung zu sensibilisieren, ist der Schulbereich - unabhängig von der Schulstufe und der Schulform.

Das Brandenburgische Schulgesetz (*12) setzt die verfassungsrechtliche Vorgabe bezogen auf die sexuelle Identität für den Schulbereich um und sieht ferner die schulische Sexualerziehung als Ergänzung zur Sexualerziehung der Eltern vor. Die Schulen setzen diesen Anspruch mit ihren Schulprogrammen und schulinternen Curricula um. Dennoch sind noch längst nicht alle Vorurteile, insbesondere bei Jugendlichen abgebaut. Das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im schulischen Bereich ist von großer Bedeutung und soll auf positive Weise sichtbar gemacht werden. Ziel ist es dabei, die Akzeptanz von LSBTTIQ* innerhalb der Schulklasse und im täglichen Umfeld zu erhöhen.

Leider werden immer noch viel zu oft die Begriffe „schwul“ und „lesbisch“ oder auch „Schwuchtel“ als gewollte Herabwürdigung des Gegenübers unter den Jugendlichen verwendet.(*13) Dies kann zu einer Atmosphäre beitragen, in dem Jugendliche ihre sexuelle Orientierung oder ihre geschlechtliche Identität eher nicht preisgeben. Wichtig ist in diesem Kontext auch, von wem die Diskriminierung ausgeht, ob von den Schüler*innen oder von Lehrkräften. Die Schule (inkl. Berufs- und Fachschule) ist einer der Orte - neben der eigenen Familie, der Öffentlichkeit und dem Freizeitbereich -, an dem sich die Befragten in den vergangenen fünf Jahren am häufigsten diskriminiert fühlten: 36 Prozent der OnlineBefragten haben innerhalb der vergangenen fünf Jahre negative Erfahrungen in der Schule gemacht. Besonders betroffen sind Trans*-Personen, von denen zwei Drittel angeben, in der Schule diskriminierende Erfahrungen gemacht zu haben/zu machen.

Zur Erhöhung der Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt und um die Akzeptanz für LSBTTIQ* zu erhöhen, ist es erforderlich, die Lehrkräfte zu befähigen, sich des Themas in den unterschiedlichen Kontexten des Unterrichtsstoffs anzunehmen und dies wertfrei den Schüler*innen zu vermitteln. Dabei können und sollten externe Expert*innen mit LSBTTIQ*-Erfahrung hinzugezogen werden. Thematische Unterstützung bietet auch der Bildungsserver Berlin - Brandenburg.

Der wesentliche Schritt zur Umsetzung an den Schulen erfolgt mit dem neuen Rahmenlehrplan Berlin/Brandenburg für die Jahrgangsstufen 1 bis 10, der zum Schuljahr 2017/18 umgesetzt wird. Der Rahmenlehrplan verpflichtet die Schulen, insgesamt 13 übergreifende Themen (unter anderem „Bildung zur Akzeptanz von Vielfalt (Diversity)“ und „Sexualerziehung/Bildung für sexuelle Selbstbestimmung“) in ihren schulinternen Curricula und damit fächerverbindend, fachübergreifend oder in Projekten umzusetzen.

Die o.g. Themen finden sich in den unterschiedlichen Fächern und Lernbereichen sowie über mehrere Jahrgangsstufen hinweg wieder. Der Unterricht erfolgt grundsätzlich altersgerecht und mit der nötigen Sensibilität. Lehrkräfte können dabei durch eine diskriminierungsfreie Grundhaltung eine Vorbildfunktion einnehmen. Um die Schulen bei diesen Aufgaben zu unterstützen, finden Fortbildungen im Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg statt. Diese richten sich schwerpunktmäßig an die Berater*innen des Unterstützungssystems (BUSS), die dann auf regionaler Ebene die Schulen beraten bzw. Fortbildungen anbieten. Darüber hinaus gibt es thematische Fachtagungen und Materialien. Diese sind auf dem Bildungsserver Berlin-Brandenburg eingestellt.

BILD FEHLT(*14)

Um zu vermeiden, dass LSBTTIQ*-Schüler*innen diskriminiert oder gemobbt werden, ist es wichtig, frühzeitig Aufklärungsarbeit auf den unterschiedlichen Bildungsebenen zu unterstützen und umzusetzen. Beispielhaft zu nennen ist hier die Anti-Mobbing-Handreichung „Mobbing aufgrund der sexuellen Identität(*15) für den Grundschul- und Sekundarbereich, die auf dem Bildungsserver BerlinBrandenburg zum Themenfeld geschlechtliche und sexuelle Vielfalt zu finden ist. Die Handreichung für den Grundschulbereich differenziert zwischen Informationen für Schüler*innen und Lehrkräfte. Die Informationsblätter für den Bereich der Sekundarstufe I unterscheiden differenzierter zwischen Schüler*innen, Schulpersonal, Lehrkräften und Schulleitung. Für das Thema und die mögliche Umsetzung im schulischen Bereich gibt es zudem die Handreichung „Schule unterm Regenbogen: HeteroHomoBiTrans-Lebensweisen im Unterricht an den Schulen im Land Brandenburg“.

Diese Handreichung beruht auf einer langjährigen Praxiserprobung von Konzepten, die ständig weiterentwickelt und durch das Zentrum für Lehrerbildung der Universität Potsdam gemeinsam mit dem Verein AndersARTiG e.V. evaluiert und im Jahr 2008 veröffentlicht wurde. Sie bietet Unterrichtvorschläge, methodisch-didaktische Hinweise sowie geeignete Kontakte und Adressen an.

Es existieren somit schon seit einiger Zeit etliche Materialien, Informationen, Beratungsangebote und Medientipps für den Unterricht, die online zu finden sind, und die die Lehrkräfte bei der Integration von queeren Themen in den Schulunterricht unterstützen. Ebenfalls geeignet ist die Vermittlung von queeren Themen durch vergleichbare Bildungs- und Aufklärungsangebote von externen Stellen (z.B. durch die Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule&Trans*Belange).

Ein gutes Beispiel ist das Bildungs- und Aufklärungsprojekt „Schule unterm Regenbogen“, zu dem bereits im April 2015 ein Kooperationsvertrag zwischen der Voltaireschule Potsdam und dem Landesverband AndersARTiG e.V. geschlossen wurde. Ziel der Kooperation ist es, den Schüler*innen und Lehrer*innen das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt näher zu bringen und somit zu einem respektvollen und diskriminierungsfreien Miteinander im Schulalltag beizutragen. Dies erfolgt durch regelmäßige Aufklärungs- und Antidiskriminierungsworkshops in der 8. Jahrgangsstufe und einer kontinuierlichen fachlichen Zusammenarbeit mit den Lehrkräften der Schule.

Das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den Schulalltag zu integrieren, ist ein längerer Prozess. Damit es gelingt, eine gegenüber LSBTTIQ*-Lebensweisen vorurteilsfreie Schule zu gestalten, ist es wesentlich, die Elternarbeit in der schulischen Bildung einzubeziehen. Auf Elternabenden kann den Eltern das Schwerpunkthema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt mit Unterstützung externer Fachkräfte näher gebracht werden. Ziel ist es, die Elternschaft für das Thema ebenso zu sensibilisieren wie die Schüler*innen und im Idealfall zu Partner*innen bei der Aufklärungsarbeit zu machen.


(*12) BRAVORS-Link: http://bravors.brandenburg.de/gesetze/bbgschulg. Zuletzt abgerufen am 03.Juli 2017.

(*13) Klocke, Ulrich (2012): Akzeptanz sexueller Vielfalt an Berliner Schulen. Eine Befragung zu Verhalten, Einstellungen und Wissen zu LSBTI und deren Einflussvariablen. Berlin: Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

(*14) Siehe https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/themen/. Zuletzt abgerufen am 03.Juli 2017.

(*15) URL: http://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/themen/bildung-zur-akzeptanz-von-vielfalt-diversity/sexuellevielfalt/lehrkaefte/unterrichtsmaterial/. Zuletzt abgerufen am 03. Juli 2017.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.1. - Handlungsfeld - Bildung und Aufklärung
III.1.3. - Lehrerausbildung

Die Lehramtskandidat*innen setzen sich im Fachseminar LER zu Themen der sexuellen Vielfalt auseinander und werden dazu angeregt, sich eigene Haltungen und Einstellungen zu erarbeiten. Auch im Hauptseminar werden im Rahmen der modularen Ausbildung entsprechende Angebote zu der Vielfalt der Themen unterbreitet, die u.a. die Bedeutsamkeit veränderter Familienbilder innerhalb der Gesellschaft und im Kontext Schule hervorheben. Das eigene Lehrerbild soll dadurch reflektiert und an die Ansprüche eines vorurteilsfreien und antidiskriminierenden Umgangs mit Betroffenen angepasst werden.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.1. - Handlungsfeld - Bildung und Aufklärung
III.1.4. - Kinder- und Jugendhilfe

Die pädagogischen Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Jugendhilfeeinrichtungen sind für das Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt i.d.R. geschult, um adäquat auf mögliche Konflikte reagieren zu können. Das Sozialpädagogische Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg (SFBB) hat die Relevanz des Themenfeldes schon seit Längerem erkannt. In seinem Fortbildungsprogramm 2017 sind, wie in den Jahren zuvor auch, zahlreiche Veranstaltungen mit unterschiedlichsten sexualpädagogischen Inhalten enthalten.

Dabei unterscheiden sich die Anforderungen und konzeptionellen Grundlagen deutlich danach, in welchem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe gearbeitet wird. Zu beachten sind die Besonderheiten in Bezug auf die Kindertagesstätten aufgrund des Alters, der Hilfen zur Erziehung in Bezug auf das soziale Umfeld und den familiären Kontext sowie der Kinder- und Jugendarbeit mit ihren freiwilligen außerschulischen Bildungsangeboten. Des Weiteren liegt die Zuständigkeit für die Angebote und Dienste der Kinder- und Jugendhilfe in der Regel bei den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe (Landkreise und kreisfreie Städte) und ihre Leistungen werden weitgehend von Trägern der freien Jugendhilfe und im Bereich der Kindertagesbetreuung auch von kreisangehörigen Gemeinden erbracht.

Damit das Thema LSBTTIQ* in den Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen sichtbar gemacht werden kann, sollten dort u.a Informationsmaterialien externer Beratungsstellen mit LSBTTIQ*-Erfahrung ausgelegt werden, um über diese Informationen das Gespräch mit LSBTTIQ*-Jugendlichen oder deren Eltern suchen zu können. Des Weiteren sollten die Mitarbeiter*innen über Beratungsangebote und Fakten rund um das Thema LSBTTIQ* aufklären bzw. adäquate Beratungseinrichtungen empfehlen können. Grundlage ist die Kenntnis über Beratungsangebote, die qualifizierte und sensible Unterstützungsleistungen anbieten.

Ein wichtiger Schritt in Richtung bessere Erkennbarkeit in der Kinder- und Jugendhilfe ist die Thematisierung im Landes-Kinder und Jugendausschuss (LKJA) und in den kommunalen Kinder- und Jugendhilfeausschüssen. Beispielhaft sind hier die „Leitlinien zur geschlechtergerechten Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und für den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz im Land Brandenburg“ zu nennen, die 2013 im damaligen Landesjugendhilfeausschuss beschlossen wurden. In den Empfehlungen zur Umsetzung der Leitlinien ist vorgesehen, alle drei Jahre die Leitlinie zu diskutieren.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.1. - Handlungsfeld - Bildung und Aufklärung
III.1.5. - Hochschulbildung/Fachkräfteausbildung

Die vorhergehenden Ausführungen lassen erkennen, dass es Handlungsbedarfe in der Ausbildung derjenigen Fachkräfte gibt, die in Kindertagesstätten, im Schulwesen und in der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind oder zukünftig arbeiten werden. Um das pädagogische Fachpersonal beim Umgang mit dem Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt fachlich zu stärken, wird die Landesregierung anregen, die Thematik in den Ausbildungslehrplänen bzw. in den Studiencurricula der Ausbildungs- und Studienrichtungen zu den o.g. Tätigkeitsfeldern weiterzuentwickeln.

Die Brandenburger Hochschulen haben das Thema LSBTTIQ* bereits in vielfältigen Zusammenhängen aufgegriffen. So wird im Wintersemester 2017/2018 an der Fachhochschule Potsdam das Thema in Lehrveranstaltungen wie z.B. „Werkstatt Gender und Diversity“ aufgenommen. In kulturwissenschaftlichen Studiengängen der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) gibt es die Wahlmodule Transdisziplinäre Gender und Queer Theory. An der Universität Potsdam wird im Wintersemester 2017/2018 das studentische Projekt zur Erstellung einer queeren Stadt- und Regionalgeschichte umgesetzt. In der Filmuniversität Babelsberg „Konrad Wolf“ findet im Wintersemester 2017/2018 das „Montageforum unter der Regenbogenflagge“ statt. Dabei handelt es sich um Veranstaltungen mit queeren Film-Montagearbeiten (*16).

(*16) Dabei handelt es sich in der Filmbranche um eine sachgerechte Verbindung von einzelnen Akten zu einem Gesamtwerk.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.2. - Handlungsfeld - Teilhabe

Die Bereiche Kultur und Sport wirken identitätsstiftend und können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, Vorurteile in der Gesellschaft gegenüber LSBTTIQ* abzubauen und Akzeptanz zu bewirken. Es bedarf geeigneter Maßnahmen, um Vorurteile und Diskriminierungen, wie sie im Sport noch häufig zu beobachten sind, abzubauen. Sie fördern damit die gesellschaftliche Teilhabe von LSBTTIQ* und ihre Gleichberechtigung. Die Landesregierung setzt sich für einen zivilgesellschaftlichen Dialog mit den Kirchen, Kultureinrichtungen und den Sportvereinen ein, der Raum für LSBTTIQ*-Themen bietet. Gerade durch positive Beispiele in diesen Bereichen lässt sich eine hohe Signalwirkung im Werben für eine tolerante Gesellschaft erreichen.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.2. - Handlungsfeld - Teilhabe
III.2.1. - Kultur

Bei kulturellen und künstlerischen Prozessen geht es immer auch um eine kreative Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Verhältnissen und bestehenden Strukturen und damit auch um eine traditionelle Prägung im Hinblick auf Geschlechter und Verhalten. So richtet sich z.B. das oft verwendete Thema „Liebe in der Kunst“ zumeist an die „Hetero-Normalität“. Kulturelle Veranstaltungen und Initiativen regen aber auch dazu an, eine andere Perspektive einzunehmen und Vielfalt erfahrbar zu machen. Zugleich bieten sich für LSBTTIQ* Identifikationsmöglichkeiten, wenn diese die traditionellen Kulturangebote ergänzen.

Verschiedene Kultureinrichtungen in Brandenburg greifen das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt bereits auf. Zu erwähnen ist hier beispielsweise die vom Hans Otto Theater in Potsdam im Jahr 2015 sehr erfolgreich entwickelte Inszenierung des Musicals La Cage aux Folles (Ein Käfig voller Narren), die auch überregional und in Veranstaltungshinweisen der queeren Community positiv besprochen wurde (*17). Auch die aktuelle Druckbroschüre von Kulturland Brandenburg zum KulturlandJahr 2017 REFORMATION greift das LSBTTIQ*-Thema in ihrer Bebilderung auf (*18).

Die Landesregierung prüft, ob und ggf. wie die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten und sexueller Orientierung in Kunst und Kultur verstärkt sichtbar gemacht werden kann, z.B. durch einen Dialog mit den Brandenburger Museen, Kinos und Theatern, durch eine Sensibilisierung von Kunst- und Kulturverbänden, durch die Ausweitung von Inhalten und Programmen sowie bei der Auslobung von Preisen und der Durchführung von kulturellen Veranstaltungen.

Die Landesregierung schätzt die kulturell aktiven Vereine und Initiativen aus der Brandenburger LSBTTIQ*-Community als wichtige Partner*innen im Kulturbereich. Sie unterstützt öffentlichkeitswirksame Projekte und niedrigschwellige Angebote für junge LSBTTIQ*. Die Landesregierung setzt sich auch dafür ein, dass die Zusammenarbeit mit den Netzwerken der Kulturschaffenden vor Ort und die Entwicklung von Angeboten mit LSBTTIQ*-Bezug aus den Regionen heraus gestärkt werden. Bei einer möglichen Fortschreibung der kulturpolitischen Strategie (*19) prüft die Landesregierung, den Aspekt Diversity stärker in den Blick zu nehmen.


(*17) URL: http://www.siegessaeule.de/no_cache/newscomments/article/1529-la-cage-aux-folles-premiere-im-potsdamer-hansotto-theater.html oder http://www.queer.de/detail.php?article_id=22965. Zuletzt abgerufen am 06.Oktober 2017.

(*18) URL: http://www.kulturland-brandenburg.de/bilder-2017/. Zuletzt abgerufen am 06.Oktober 2017.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.2. - Handlungsfeld - Teilhabe
III.2.2. - Gedenkkultur

Für die gesellschaftliche Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit im Hinblick auf die Verfolgung von homosexuellen Menschen spielt die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eine bedeutende Rolle. So hat die Brandenburgische Stiftung Gedenkstätten am 20. und 21. April 2017 unter Schirmherrschaft der Landesgleichstellungsbeauftragten ein Symposium zum Thema „Identitätspolitik und Gedenken, Schwul-Lesbische Erinnerungskultur in der Diskussion“ durchgeführt. (*20) Die Veranstaltung wurde durch die für Gleichstellungsfragen zuständige Ministerin eröffnet. Hintergrund für die Veranstaltung war, dass es bislang an einem spezifischen Gedenken an in NS-Zeit verfolgte und umgekommene lesbische Frauen und Mädchen fehlte. Sie war eine Ergänzung des bereits bestehenden Gedenkens an die mit dem „Rosa Winkel“ gekennzeichneten homosexuellen männlichen Häftlinge im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen.

An die Verfolgung von Lesben und Schwulen in der NS-Zeit zu erinnern und eine angemessene Form des Gedenkens zu finden, ist ein besonderes Anliegen der Landesregierung. Dieses Anliegen wird durch die Erarbeitung einer Wanderausstellung zum queeren Leben in Brandenburg „gestern und heute“ unterstrichen. Die Landesregierung begrüßt ausdrücklich, dass nunmehr mit dem Gesetz zur Rehabilitierung der Opfer antihomosexueller Strafgesetze in Deutschland (*21) die Betroffenen endlich Genugtuung erfahren und eine gewisse Entschädigung erhalten. Die Rehabilitierung der wegen Verstoß gegen § 175 StGB vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren Verurteilten ist ein längst überfälliger Schritt.


(*19) URL: http://www.mwfk.brandenburg.de/sixcms/detail.php/583844. Zuletzt abgerufen am 06.Oktober 2017.

(*20) Das Projekt wurde aus Mitteln des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie gefördert.

(*21) Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen und zur Änderung des Einkommensteuergesetzes, BT-Drs. 18/12038, http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/120/1812038.pdf.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.2. - Handlungsfeld - Teilhabe
III.2.3. - Sport

In unserer Gesellschaft gilt Sport - gleichgültig, ob in der Stadt oder auf dem Land - als niedrigschwelliges und integratives Instrument, das der Verständigung zwischen den Menschen dient. Aus diesem Grund stellt Sport, in welcher Form auch immer, einen wichtigen Bildungsort des Alltags dar.

Im Zuge einer Studie (*22) aus dem Jahr 2015 im Bundesland Sachsen-Anhalt wurde festgestellt, dass gerade trans- und intergeschlechtliche Menschen Sport als einen Bereich der Gesellschaft wahrnehmen, in dem die Zweigeschlechtlichkeit immer noch sehr ausgeprägt ist. Sport rangiert bei den Diskriminierungserfahrungen, ob in der Schule oder in Vereinen, sehr weit oben.

Die Zuteilung bei einigen Sportarten zu den Geschlechtern „Mann“ oder „Frau“ ist besonders für transund intergeschlechtliche Personen sehr schwierig. Auch akzeptieren etliche Trans* und Inter* die Zuordnung in eine Geschlechtskategorie nicht, wodurch ihnen oft die Teilnahme an Wettkampfsportarten verwehrt ist. Aus diesem Grund ist ihre gleichberechtige Teilhabe an sportlichen Aktivitäten begrenzt oder nicht vorhanden. Für die Teilhabe am Sport, besonders für trans- und intergeschlechtliche Personen, stellt auch die Nutzung von Wasch- und Umkleidekabinen, die nach der Zweigeschlechtlichkeit ausgerichtet sind, ein deutliches Hindernis dar. Gleiches gilt auch für die Nutzung von Sauna und Schwimmbadeinrichtungen, aber auch für den Sportunterricht an Schulen. In der Online-Befragung gab ein Drittel der Trans* an, in den Bereichen Sport und Kultur negative Erfahrungen gemacht zu haben. Etwa ein Viertel der schwulen Befragten gab ebenfalls an, Diskriminierungserfahrungen in diesen Bereichen gemacht zu haben. Lesben und Bisexuelle haben durchschnittlich seltener Diskriminierung während des Sports oder kultureller Veranstaltungen erlebt. Der offene Umgang mit Homo- oder Bisexualität ist in einigen Bereichen des Sports, z.B. im Fußball, noch immer nicht selbstverständlich. Dies wird dadurch besonders offensichtlich, dass homosexuelle Coming-outs von Spitzensportler*innen immer noch großes Aufsehen erregen und meist erst nach einer Sportler*innenkarriere erfolgen.

Die Landesregierung setzt sich dafür ein, Akzeptanz und Respekt in allen Bereichen des Sportes zu stärken und zu unterstützen. Um dieses Ziel umzusetzen, ist die Landesregierung mit dem Landessportbund (LSB) und der Brandenburgischen Sportjugend (BSJ) im Austausch. Ein erster Schritt hin zur Wertschätzung und Sichtbarmachung von LSBTTIQ* im Sport ist ein Projekt im Zuge der Förderung „Zusammenhalt durch Teilhabe“, welches durch den Bund gefördert wird. Die BSJ bearbeitet mit ihrem Projekt aus dem Förderbereich „Zusammenhalt durch Teilhabe“ seit Jahren die Themen Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Rassismus und Benachteiligung behinderter Menschen. Im Jahr 2015 fand in Frankfurt (Oder) eine Podiumsdiskussion zum Thema Homophobie im Fußball statt. Als Gast war Markus Urban eingeladen, der sich kurz nach seiner Fußballerkarriere als Homosexueller outete.

(*22) Vgl. unsicher. klar. selbstbestimmt – Wege von Trans*Kindern, *Jugendlichen und jungen Erwachsenen in SachsenAnhalt, Schumann, Linde-Kleiner; 2015. 26 Das Land unterstützt die Entwicklung eines Fortbildungsmoduls zur Antidiskriminierung durch die Brandenburgische Sportjungend im Landessportbund. Neben den o.g. Themen wird es in diesem Modul vor allem auch darum gehen, die Akzeptanz geschlechtlicher und sexueller Vielfalt zu stärken. Diese Fortbildung soll u.a. dafür geeignet sein, Lizenzen des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) zu verlängern. Zudem spricht es Multiplikator*innen an, die im Sportverein und deren Jugendabteilungen Verantwortung tragen. Ergänzend soll dieses Thema im Rahmen der Ausbildung zur staatlich anerkannten Jugendleitercard (Juleica) im Sport berücksichtigt werden. Denn eine diskriminierungsfreie Teilnahme von LSBTTIQ* am Sportleben setzt vor allem eine diesbezügliche Sensibilität und Qualifizierung von Übungsleiter*innen und Trainer*innen voraus.

Durch positive Fallbeispiele kann der Sport öffentlichkeitswirksam als Vermittler von Akzeptanz gegenüber sexueller und geschlechtlicher Vielfalt wirken und ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung jeglicher Art setzen


(*22) Vgl. unsicher. klar. selbstbestimmt – Wege von Trans*Kindern, *Jugendlichen und jungen Erwachsenen in SachsenAnhalt, Schumann, Linde-Kleiner; 2015.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.2. - Handlungsfeld - Teilhabe
II.2.4. - Gesellschaft und Religion

LSBTTIQ* sollen in der öffentlichen Wahrnehmung als selbstverständlicher und gleichberechtigter Teil der Gesellschaft sichtbar werden. Das kann durch die Auswahl von Bildern in der Öffentlichkeitsarbeit der Landesregierung oder durch die Aufnahme in Redebeiträgen durch Mitglieder der Landesregierungerfolgen. LSBTTIQ* sollen sich von der Politik selbstverständlich angesprochen und in den Blick genommen fühlen. Die Landesregierung will dazu beitragen, dass sich Gremien und Institutionen für LSBTTIQ*-Belange öffnen und für deren Themen sensibilisiert sind. Sie unterstützt alle Initiativen in den Religions- undGlaubensgemeinschaften, mit denen diese sich gegen Diskriminierung, Verachtung und Ausgrenzung von LSBTTIQ* wenden und für ein von gegenseitiger Achtung erfülltes Miteinander von Menschen unterschiedlicher sexueller Orientierung werben. Wie wichtig für Trans* und Inter* ein religiöses Lebensein kann, zeigt die aktuell erschienene Broschüre des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Reformation für Alle*, Transidentität/ Transsexualität und Kirche“.Darüber hinaus gaben etwa 20 Prozent der Online-Befragten an, in den vergangenen fünf Jahren während der Religionsausübung diskriminiert worden zu sein. Bei Trans* lag dieser Wert noch um 15 Prozent höher.


Was wollen wir erreichen?

Die traditionellen Kulturinstitutionen sowie die Kulturförderung des Landes sollen sich für LSBTTIQ*-
Themen öffnen, um diese sichtbarer zu machen und allen Menschen die kulturelle Teilhabe zu
ermöglichen. Die Landesregierung strebt an, dass der Sport ein diskriminierungsfreier Raum wird;
jede*r soll die Möglichkeit erhalten, aktiv und ohne Diskriminierungen am Sportleben teilnehmen zu
können. Der Dialog mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften wird begonnen bzw. soll verstärkt
werden.

transsexualitaet-und-kirche-data.pdf. Zuletzt abgerufen am 06.Oktober 2017.
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Wie wollen wir es erreichen?
Maßnahmen für das Handlungsfeld Teilhabe:
Titel der Maßnahmen Zuständigkeit
1. Gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit anlässlich Konsultationen
mit Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften.
Staatskanzlei
Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kultur
2. Prüfung einer stärkeren Sichtbarkeit von LSBTTIQ* in allen
Kultursparten.
Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kultur
3. Ausstellungen/Sonderausstellungen zum Thema sexuelle und
geschlechtliche Vielfalt im Land Brandenburg sollen
unterstützt werden.
Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kultur
4. Der Aspekt Diversity wird bei der Fortschreibung der
kulturpolitischen Strategie verstärkt in den Blick genommen.
Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kultur
5. Veranstaltungen im Bereich Gedenkkultur für die Verfolgung
von LSBTTIQ* in der Vergangenheit.
Ministerium für Arbeit, Soziales,
Gesundheit, Frauen und Familie
Ministerium für Wissenschaft,
Forschung und Kultur
6. Finanzielle Unterstützung der beantragten Wanderausstellung
zum queeren Leben in Brandenburg „gestern und heute“ und
Bereitstellung für eine Ausleihe durch interessierte
Institutionen.
Ministerium für Arbeit, Soziales,
Gesundheit, Frauen und Familie
7. Berücksichtigung des Themas LSBTTIQ* im Rahmen des
regelmäßigen Austausches zwischen dem zuständigen
Ressort, dem Landessportbund (LSB) und der
Brandenburgischen Sportjugend (BSJ).
Ministerium für Bildung, Jugend
und Sport


(*23) URL: https://www.bmfsfj.de/blob/114152/befae36ba9e306d97c839ee

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.3. - Handlungsfeld - Selbstbestimmung und Selbsthilfe

Im Handlungsfeld Selbstbestimmung und Selbsthilfe werden die Selbsthilfestrukturen im Land Brandenburg beleuchtet. Jede*r LSBTTIQ* soll nach seinem*ihren freien Willen über das eigene Leben entscheiden können; niemand soll gezwungen sein, die eigene geschlechtliche Identität und sexuelle Orientierung zu verstecken.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.3. - Handlungsfeld - Selbstbestimmung und Selbsthilfe
III.3.1. - Selbsthilfestrukturen

Um Selbstbestimmung und Selbsthilfe von LSBTTIQ* im Land Brandenburg zu unterstützen, ist es erforderlich, Beratungs- und Unterstützungsleistungen flächendeckend zu gewährleisten. Dies bedingt unter den Gegebenheiten eines Flächenlandes wie Brandenburg die Nutzung von bereits bestehenden Strukturen aus anderen Politikfeldern (z.B. die Familienverbände), die für die Belange von LSBTTIQ* „fit“ gemacht werden müssen. Eine wesentliche Grundlage hierfür sind organisierte Interessenvertretungen der LSBTTIQ*-Community, um Bedarfslagen zu artikulieren, die notwendigen Kompetenzen aufzubauen und als Multiplikator*innen weiterzugeben.

Damit das Wissen um die Bedarfe der Community gebündelt wird, wurde im Land Brandenburg bereits Mitte der 1990er-Jahre die Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule&Trans* Belange (LKS) des Landes Brandenburg gegründet. Seitdem wird sie durch das Land unterstützt – ähnlich wie auch andere Koordinierungsstellen und Interessenvertretungen (z.B. Familien- und Frauenverbände). Träger der Landeskoordinierungsstelle ist derzeit der Landesverband AndersARTiG e.V. Die LKS bündelt die in Beratung und Vernetzung auflaufenden Wünsche, Probleme und Bedarfe aus LSBTTIQ*-Gruppen und Vereinen sowie aus Einzelberatungen. Daneben berät die LKS die Landesregierung bei Fragestellungen im Kontext sexueller und geschlechtlicher Vielfalt. Durch die jährliche Beratungsstatistik ergeben sich wichtige Impulse und Orientierungspunkte für das Handeln der Landesregierung. Die LKS nimmt somit zwischen der LSBTTIQ*-Community und der Gesamtgesellschaft eine Brückenfunktion ein. Sie ist zugleich Schnittstelle zwischen Vereinen, Gruppen und Aktivist*innen aus der LSBTTIQ*-Bewegung und den zuständigen staatlichen Stellen.

Neben der LKS treten weitere Vereine wie Katte - Kommunale Arbeitsgemeinschaft Tolerantes Brandenburg e.V. für die Belange von LSBTTIQ* ein. Dabei geht es vielfach um die Beratung und Unterstützung von queeren Brandenburger*innen zu den unterschiedlichsten Themen wie Coming-out, Partnerschaft und auch vermehrt um den Kinderwunsch in einer queeren Beziehung. Der Verein Trans-Kinder-Netz e.V. (TRAKINE e.V.) (*24) setzt sich für die Belange von trans*-Kindern und trans*-Jugendlichen ein. Der Verein bietet Raum für den Austausch von Eltern für Eltern.

In der parallel zur Erstellung des Aktionsplans durchgeführten Online-Umfrage äußerten sich die Befragten auch zu den Angeboten aus der LSBTTIQ*-Community. Zwischen 90 und 100 Prozent halten Beratung zu Coming-out, in Fällen von Benachteiligung, Ablehnung und Ausgrenzung, Rechtsberatung und politische Interessenvertretung für (sehr und eher) wichtige Angebote, die es zu erhalten gilt.

Die LKS bietet ebenfalls die Möglichkeit von Aufklärungsarbeit und Qualifikation zu LSBTTIQ*- Lebensweisen für Jugendliche, Fachkräfte, Verwaltung und Wirtschaft an. Um die Community in den unterschiedlichen Landesteilen Brandenburgs zusammenzubringen bzw. eine neue Gruppe zu gründen, werden seitens der LKS Hilfestellungen für die Ehrenamtlichen vor Ort zu Fragen wie Förderung, Ehrenamtsbetreuung, Planung künftiger Projekte oder Organisationsberatung gegeben. Denn es ist wichtig, untereinander im Austausch zu sein und ein Sprachrohr in den politischen Raum und in die Verwaltungen zu haben.

Ehrenamtliche Akteur*innen haben in den unterschiedlichen Regionen Brandenburgs Gruppen, Stammtische, Freizeitaktivitäten oder Veranstaltungen gebildet bzw. initiiert. Sie engagieren sich im Großen und Kleinen in ihrer Region oder ihrer Gemeinde für die Belange von LSBTTIQ*. In der nachfolgenden Grafik wird ein Überblick darüber dargestellt.

Abbildung: Brandenburg im Regenbogen- LSBT-Community vor Ort (*25) Um die Selbsthilfestrukturen der LSBTTIQ*-Community zu unterstützen, welche größtenteils von der Arbeit durch Ehrenamtliche getragen werden, ist es sinnvoll, diese in die vorhandenen Regelstrukturen der unterschiedlichen Beratungsangebote zu integrieren. Dabei ist es wichtig herauszustellen, dass es nicht um den Ersatz spezifischer Angebote geht, sondern um deren Ergänzung.

Der erste Schritt zur Vernetzung der Strukturen ist die Kenntnis der Ansprechpersonen in den Beratungsstellen. So fördert das Land Brandenburg seit dem Sommer 2017 ein Regenbogenfamilienzentrum. Viele LSBTTIQ* möchten eine Familie gründen und mit dieser diskriminierungsfrei leben. Auch im Zuge der bundesweiten Einführung der Ehe für alle wird es einen wachsenden Beratungsbedarf von LSBTTIQ* mit Kinderwunsch geben.

Die spezifischen Fragen in diesem Zusammenhang sollen durch das spezielle Beratungsangebot beantwortet werden. Mittel- bis langfristig ist es aber das Ziel der Landesregierung, dass sich Regenbogenfamilien ebenso wie alle anderen Familien an die bisher bestehenden Beratungsstrukturen wenden können wie z.B. an Familienzentren oder Mehrgenerationenhäuser, um eine fundierte Unterstützung zu erhalten. Dafür muss das dort tätige Personal im Hinblick auf alle Bedarfe von Regenbogenfamilien fachlich geschult werden.

Ein wichtiger Punkt für die Arbeit von Selbsthilfestrukturen ist ihre finanzielle Ausstattung. Dabei ist eine gewisse Unabhängigkeit von rein staatlichen Mitteln anzustreben. Die Selbsthilfestrukturen sollen befähigt werden, Mittel aus der Zivilgesellschaft oder von Unternehmen eigenständig akquirieren zu können. Hierfür sind Fortbildungsmaßnahmen der Verantwortlichen notwendig. Bei der Vermittlung von Fortbildungsangeboten ist die Landesregierung gerne behilflich.

Auch ist eine Vernetzung und Kooperation mit der überregionalen LSBTTIQ*-Community in Deutschland erstrebenswert, um bereits vorhandene Fachkompetenz nutzen und voneinander profitieren zu können.

(*24) URL:http://trans-kinder-netz.de/wer-sind-wir.html. Zuletzt abgerufen am 06.Oktober 2017.

(*25) URL:http://www.andersartig.info/index.php?article_id=4. Zuletzt abgerufen am 07. Juli 2017.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.3. - Handlungsfeld - Selbstbestimmung und Selbsthilfe
III.3.2. - Ehrenamt

Ein Stützpfeiler der Selbsthilfestrukturen und das Rückgrat des Gemeinwesens (*26) ist das Ehrenamt. Aus diesem Grund ist das Ehrenamt wertzuschätzen und zu würdigen. Dafür stehen im Land Brandenburg zahlreiche Instrumente zur Verfügung, welche auch von den ehrenamtlich Tätigen im LSBTTIQ*- Bereich genutzt werden sollten. Wichtig dabei sind auch die Schulung von ehrenamtlich Tätigen und die Fortbildung zum Thema.

Ein Instrument zur Würdigung des Ehrenamts und Vernetzung von Ehrenamtsstrukturen ist beispielsweise die seit 2005 bestehende Koordinierungsstelle für bürgerschaftliches Engagement. (*27) Diese ist in der Staatskanzlei angesiedelt und dient allen Bürger*innen als Informationsquelle. Das Landesnetzwerk für bürgerschaftliches Engagement (*28) und Anerkennungskultur im Land Brandenburg wurde im Jahr 2013 gegründet. Es bündelt und optimiert die vorhandenen Ressourcen und Maßnahmen aus allen Teilen der Zivilgesellschaftlich und Politik. Auch Angelegenheiten von LSBTTIQ* sollen hier zukünftig stärker Berücksichtigung finden. Denn alle bürgerschaftlich Engagierten verdienen Dank und Anerkennung. Zur Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements stehen im Land Brandenburg folgende Maßnahmen zur Verfügung.


(*26) URL: http://ehrenamt-in-brandenburg.de/. Zuletzt abgerufen am 07.Juli 2017.

(*27) URL: http://ehrenamt-in-brandenburg.de/ansprechpartner-2/. Zuletzt abgerufen am 07. Juli 2017.

(*28) URL: http://ehrenamt-in-brandenburg.de/landesnetzwerk/. Zuletzt abgerufen am 07.Juli 2017.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.3. - Handlungsfeld - Selbstbestimmung und Selbsthilfe
III.3.1. - Ehrenamt
III.3.2.1. - FreiwilligenPass
(*29)

Das ehrenamtliche Engagement kann mit dem FreiwilligenPass bescheinigt werden. Er gibt Auskunft über Erfahrungen in bestimmten Tätigkeiten: Die Bescheinigung kann für den Berufseinstieg, das berufliche Fortkommen oder den Wiedereinstieg in das Berufsleben nützlich sein.

Der Brandenburger FreiwilligenPass besteht aus zwei Komponenten:

• einer Bescheinigung über das freiwillige bürgerschaftliche und ehrenamtliche Engagement sowie

• einer Dokumentation der Teilnahme an besonderen Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen.


(*29) URL: http://ehrenamt-in-brandenburg.de/ehrungen/freiwilligenpass/. Zuletzt abgerufen am 07. Juli 2017. 31

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.3. - Handlungsfeld - Selbstbestimmung und Selbsthilfe
III.3.2. - Ehrenamt
III.3.2.2. - Ehrenamtskarte
(*30)

Seit 2017 bieten Berlin und Brandenburg für Brandenburger und Berliner Freiwillige eine gemeinsame Ehrenamtskarte an. Sie ist ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für die geleistete Arbeit. Zahlreiche Partner*innen der Ehrenamtskarten wie Museen, Einzelhändler*innen, Gastronomiebetriebe, Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen sowie Dienstleistungsunternehmen gewähren den Karteninhabern*innen Vergünstigungen und Rabatte.


(*30) URL: http://ehrenamt-in-brandenburg.de/ehrenamtskarte/. Zuletzt abgerufen am 08. Juli 2017.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.3. - Handlungsfeld - Selbstbestimmung und Selbsthilfe
III.3.2. - Ehrenamt
III.3.2.3. - Ehrenamtsempfang

Am ersten Sonnabend im Dezember jeden Jahres aus Anlass des Internationalen Tages des Ehrenamts laden die Präsidentin des Landtages und der Ministerpräsident rund 100 engagierte Ehrenamtliche aus Brandenburg zum „Ehrenamtsempfang“ ein, um ihnen zu danken. Die Ehramtlichen werden für die Leistungen in den Vereinen, der Freiwilligen Feuerwehr, in Beiräten, Bürgerinitiativen und Selbsthilfegruppen gewürdigt.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.3. - Handlungsfeld - Selbstbestimmung und Selbsthilfe
III.3.2. - Ehrenamt
III.3.2.3. - Ehrenamtsversicherung

In Brandenburg ist etwa ein Drittel der Bürger*innen ehrenamtlich aktiv. Damit diese Menschen bei ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit vor Risiken abgesichert sind, hat die brandenburgische Landesregierung den Unfall- und Haftpflichtversicherungsschutz erweitert. Versichert sind hierüber all jene Ehrenamtlichen, Initiativen, Gruppen und Projekte, die ihre Tätigkeit in Brandenburg ausüben oder deren freiwillige Tätigkeiten von Brandenburg ausgehen (z.B. bei Exkursionen, Veranstaltungen etc.) und für die bisher kein oder kein ausreichender Versicherungsschutz bestand. (*31)


(*30) URL: http://ehrenamt-in-brandenburg.de/ehrenamtskarte/. Zuletzt abgerufen am 08. Juli 2017.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.4. - Handlungsfeld - Familie, Jugend, Kinder und Lebenspartnerschaft

Das nachfolgende Kapitel befasst sich vor allem mit der Entwicklung der heranwachsenden Generation im Kontext LSBTTIQ*. Einige Kinder und Jugendliche wachsen heute in einer sogenannten Regenbogenfamilie auf. Diese Familienform wird in der gesellschaftlichen Diskussion immer stärker wahrgenommen. In Regenbogenfamilien lebende Kinder sind oft konfrontiert mit Unkenntnis oder Vorbehalten.

Zugleich leben Kinder und Jugendliche in Brandenburg, die sich ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität bewusst werden, die nicht der Heteronormativität entspricht (inneres Coming-out). Für Jugendliche ist es in der Findungsphase ihrer sexuellen Orientierung bzw. geschlechtlichen Identität besonders wichtig, einen vertrauensvollen Rahmen in der Familie und im weiteren Umfeld vorzufinden.

Dabei sind die Kenntnis über die unterschiedlichen Beratungsstrukturen oder ein wertschätzender Umgang von pädagogischen Fachkräften die Voraussetzung dafür, dass sich Jugendliche umfassend informiert fühlen und somit selbstsicher mit einem Coming-out umgehen können. Leider ergab die Online-Befragung, dass LSBTTIQ* in den vergangenen fünf Jahren die meisten Diskriminierungserfahren innerhalb der Familie (43 Prozent) machen mussten. Hier ist auf die besondere Situation der Trans*-Menschen hinzuweisen. Von ihnen haben innerhalb der Familie sogar drei Viertel negative Reaktionen erlebt. Ein Klima zu schaffen, das dafür sorgt, dass junge Menschen künftig bei ihrem Coming-out vermehrt auch in der Familie auf Verständnis und Toleranz stoßen, ist ein wichtiges Ziel des Aktionsplans.

III. - Handlungsfelder des "Aktionsplan Queeres Brandenburg"
III.4. - Handlungsfeld - Familie, Jugend, Kinder und Lebenspartnerschaft
III.4.1. - Lebenspartnerschaften

Mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz (LPartG) von 2001 erfolgte eine teilweise rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit Ehepaaren. Dadurch wurde den gleichgeschlechtlichen Partnern*innen die Möglichkeit eröffnet, als eingetragene Lebenspartnerschaft auch offiziell als Verantwortungsgemeinschaft füreinander anerkannt zu werden. Anfangs noch weiterexistierende Unterschiede zwischen Ehe und eingetragener Lebenspartnerschaft wurden nach und nach vom Bundesverfassungsgericht für unwirksam erklärt, wobei ein vollumfängliches Adoptionsrecht für Lebenspartner*innen bis vor kurzem nicht bestand. Das Land Brandenburg hat von Beginn an mit dem Landesausführungsgesetz zum LPartG ab August 2001 die Möglichkeit der Eintragung einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft geschaffen. Im Jahr 2012 (*33) erfolgte eine zusätzliche Erweiterung der unterschiedlichsten Landesgesetze um den Begriff der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“.

(*32) Gesetz zur Regelung der Zuständigkeit und des Verfahrens nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz - Gesetz zur Anpassung des brandenburgischen Landesrechts an das Lebenspartnerschaftsrecht, Brandenburgisches Lebenspartnerschaftsanpassungsgesetz Der Bundestag hat Ende Juni 2017 das Gesetz zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts“ (sog. „Ehe für alle“) verabschiedet.(*34) Das Gesetz trat am 1. Oktober 2017 in Kraft.

Ab Inkrafttreten des Gesetzes können gleichgeschlechtliche Paare keine Lebenspartnerschaft mehr eingehen, sondern dürfen die Ehe schließen. Bestehende Lebenspartnerschaften können in eine Ehe umgewandelt werden.(*35) Hierfür hat sich die Landesregierung in der Vergangenheit wiederholt eingesetzt. Damit ist die Gleichstellung von homosexuellen Paaren mit heterosexuellen Ehepaaren weitestgehend erreicht. Die Landesregierung wird sich dafür einsetzen, dass die noch notwendigen Rechtsänderungen für die Ehe für alle so schnell wie möglich erfolgen.


(*32) Gesetz zur Regelung der Zuständigkeit und des Verfahrens nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz - LPartG-ZVerfG, vgl. BRAVORS-Link: http://bravors.brandenburg.de/br2/sixcms/media.php/76/GVBl_I_09_2001.pdf.

(*33) Gesetz zur Anpassung des brandenburgischen Landesrechts an das Lebenspartnerschaftsrecht, Brandenburgisches Lebenspartnerschaftsanpassungsgesetz – BbgLPAnG, vgl. BRAVORS-Link: http://bravors.brandenburg.de/br2/sixcms/media.php/76/GVBl_I_JIV_2012.pdf.

(*34) URL: http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/129/1812989.pdf und http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/18/006/1806665.pdf.

(*35) Der Bundesrat hat dem Gesetz in seiner Sitzung am 07.07.2017 zugestimmt; vgl. https://www.bundesrat.de/SharedDocs/drucksachen/2017/0501-0600/539-17(B).pdf?__blob=publicationFile&v=2.