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(gayBrandenburg - Land und Leute) Während aus der Anfangszeit Potsdams so gut wie keine Zeugnisse schwulen Lebens in Potsdam erhalten geblieben sind, änderte sich das in der Zeit der Aufklärung unter Friedrich dem II. als König. Dabei war das schwule Leben in Potsdam nicht nur von den eifersüchtigen Zänkereien des schwulen Königs und seines ebenfalls schwulen Bruders Heinrich geprägt. Zumeist war Potsdam als Garnisonstadt nun Heimat für viele kriegsdienstbedingt von ihren Freunden getrenntlebenden Partnern, welche diese durch unfangreiche Briefwechsel zu überbrücken versuchten. 3 Exemplarische Beispiele wollen wir hier anführen.

Tripper und fleischige Schultern
Als erstes ein Beispiel vom Königshof. Die Spannungen zwischen den Brüdern Friedrich (der Große) und seinem 14 Jahre jüngeren Bruder Heinrich in jener Zeit haben einen sehr persönlichen Grund. Beide sind homosexuell, und beide sind in den 1740er Jahren in denselben jungen Mann verliebt, einen Pagen am Königshoif  aus dem Geschlecht derer von Marwitz in der Nähe von Oranienburg. Der eifersüchtige Friedrich schreibt seinem Bruder Briefe, in denen es von abgefeimten Bosheiten nur so wimmelt. So versucht er, Heinrich den jungen Marwitz, bei dem er selbst offenbar chancenlos ist, schlecht zu machen: Der habe, warnt der König höhnisch in einem Brief vom 9. März 1746, "den Tripper und fleischige Schultern".

Schon zweimal habe ich von Ihnen geträumet

Am selben Tag schrieb der in Potsdam stationierte junge preußische Offizier Ewald von Kleist an seinen  Freund, den Halberstädter Domsekretär Johann Gleim:
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Ich heirate niemals, sei Du die Frau mir 

Das dritte Beispiel stammt kanpp 60 Jahre später von seinem Berliner Großneffen, Heinrich v. Kleist. 1792 trat der junge Kleist getreu seiner Familientradition in das 3. Bataillon des Garderegiments zu Potsdam in der damaligen Priesterstrasse (heute Henning von Tresckow-Str.,Sitz der Polizei und des Innenministeriums) ein. Trotz wachsender Zweifel am Soldatendasein verblieb Kleist im Militär und wurde 1795 zum Fähnrich und 1797 zum Leutnant befördert. Privat sind mehrere Beziehungen überliefert. So nahm er neben dem Militärdienst zusammen mit seinem langjährigen Freund Rühle von Lilienstein mathematische und philosophische Studien in Potsdam auf, hatte aber offenbar mehrere "Liebschaften" in Potsdam. Knapp 10 Jahre später schrieb er an seinen Geliebten Ernst von Pfuel, ebenfalls Lieutenant im Regiment Sr. Majestät des Königs zu Potsdam:
"Du übst, du guter, lieber Junge, mit Deiner Beredsamkeit eine wunderliche Gewalt über mein Herz aus, und ob ich Dir gleich die ganze Einsicht in meinen Zustand selber gegeben habe, so rückst Du mir doch zuweilen mein Bild so nahe vor die Seele, daß ich darüber, wie vor der neuesten Erscheinung von der Welt, zusammenfahre.

Ich werde jener feierlichen Nacht niemals vergessen, da Du mich in dem schlechtesten Loche von Frankreich auf eine wahrhaft erhabene Art, beinahe wie der Erzengel seinen gefallnen Bruder in der Messiade, ausgescholten hast. Warum kann ich Dich nicht mehr als meinen Meister verehren, o Du, den ich immer noch über alles liebe? - Wie flogen wir vor einem Jahre einander, in Dresden, in die Arme! Wie öffnete sich die Welt unermeßlich, gleich einer Rennbahn, vor unsern in der Begierde des Wettkampfs erzitternden Gemütern! Und nun liegen wir, übereinander gestürzt, mit unsern Blicken den Lauf zum Ziele vollendend, das uns nie so glänzend erschien, als jetzt, im Staube unsres Sturzes eingehüllt!

Mein, m e i n
ist die Schuld, ich habe Dich verwickelt, ach, ich kann Dir dies nicht so sagen, wie ich es empfinde. - Was soll ich, liebster Pfuël, mit allen diesen Tränen anfangen? Ich möchte mir, zum Zeitvertreib, wie jener nackte König Richard, mit ihrem minutenweisen Falle eine Gruft aushöhlen, mich und Dich und unsern unendlichen Schmerz darin zu versenken. So umarmen wir uns nicht wieder! So nicht, wenn wir einst, von unserm Sturze erholt, denn wovon heilte der Mensch nicht! Einander, auf Krücken, wieder begegnen.

Damals liebten wir ineinander das Höchste in der Menschheit; denn wir liebten die ganze Ausbildung unsrer Naturen, ach! in ein paar glücklichen Anlagen, die sich eben entwickelten. Wir empfanden, ich wenigstens, den lieblichen Enthusiasmus der Freundschaft! Du stelltest das Zeitalter der Griechen in meinem Herzen wieder her, ich hätte bei Dir schlafen können, Du lieber Junge; so umarmte Dich meine ganze Seele! Ich habe Deinen schönen Leib oft, wenn Du in Thun vor meinen Augen in den See stiegest, mit wahrhaft mädchenhaften Gefühlen betrachtet. Er könnte wirklich einem Künstler zur Studie dienen. Ich hätte, wenn ich einer gewesen wäre, vielleicht die Idee eines Gottes durch ihn empfangen. Dein kleiner, krauser Kopf, einem feisten Halse aufgesetzt, zwei breite Schultern, ein nerviger Leib, das Ganze ein musterhaftes Bild der Stärke, als ob Du dem schönsten jungen Stier, der jemals dem Zeus geblutet, nachgebildet wärest. Mir ist die ganze Gesetzgebung des Lykurgus, und sein Begriff von der Liebe der Jünglinge, durch die Empfindung, die Du mir geweckt hast, klar geworden. Komm zu mir! Höre, ich will Dir was sagen.

Ich habe mir diesen Altenstein lieb gewonnen, mir sind die Abfassung einiger Reskripte übertragen worden, ich zweifle nicht mehr, daß ich die ganze Probe, nach jeder vernünftigen Erwartung bestehen werde. Ich kann ein Differentiale finden, und einen Vers machen; sind das nicht die beiden Enden der menschlichen Fähigkeit? Man wird mich gewiß, und bald, und mit Gehalt anstellen, geh mit mir nach Anspach, und laß uns der süßen Freundschaft genießen. Laß mich mit allen diesen Kämpfen etwas erworben haben, das mir das Leben wenigstens erträglich macht. Du hast in Leipzig mit mir geteilt, oder hast es doch gewollt, welches gleichviel ist; nimm von mir ein Gleiches an! Ich heirate niemals, sei Du die Frau mir, die Kinder, und die Enkel! Geh nicht weiter auf dem Wege, den du betreten hast. Wirf Dich dem Schicksal nicht unter die Füße, es ist ungroßmütig, und zertritt Dich. Laß es an einem Opfer genug sein. Erhalte Dir die Ruinen Deiner Seele, sie sollen uns ewig mit Lust an die romantische Zeit unsres Lebens erinnern. Und wenn Dich einst ein guter Krieg ins Schlachtfeld ruft, Deiner Heimat, so geh, man wird Deinen Wert empfinden, wenn die Not drängt. - Nimm meinen Vorschlag an. Wenn Du dies nicht tust, so fühl ich, daß mich niemand auf der Welt liebt. Ich möchte Dir noch mehr sagen, aber es taugt nicht für das Briefformat. Adieu. Mündlich ein mehreres."


Autor: Carbo

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