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Herzensbrecher - LES AMOURS IMAGINAIRES

Herzensbrecher - LES AMOURS IMAGINAIRES

Weswegen diese ätzende Abhandlung über Liebe? Es gibt dafür eine Ursache, einen Schuldigen: Xavier Dolan. Mit 16 schrieb der Frankokanadier das Drehbuch zu seinem Erstlingswerk, er realisierte es mit 18 und sorgte beim Filmfestival von Cannes für Aufsehen. Nicht anders nun beim zweiten Film: „Herzensbrecher“. Der Begriff des Regie-Wunderkinds macht die Runde. Dabei dreht der 22-jährige Xavier Dolan zuallererst Unterhaltungskino. Seine Filme unterscheiden sich dann aber doch erheblich vom derzeitigen Filmangebot.

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Dolan feiert das Üppige. „Herzensbrecher“, wie auch schon der Vorgänger „I killed my Mother“, gefallen sich als durchgestylte Kompositionen. Das Bild ist hier das stärkste Ausdrucksmittel. Den Oberflächen wird gehuldigt, sei es der Bildhintergrund, die Kostüme oder die Schönheit des Regisseurs und Hauptdarstellers selbst. Die Inszenierung setzt genussvoll sowohl das ausgesucht Schöne wie auch das Hässliche ins rechte Licht. Xavier Dolan liebt das Kino und er hat genau verstanden, wie es sich am besten vermittelt. Und so flimmert mit „Herzensbrecher“ ein betörender und unbedingt mitreißender Abriß über die Perversität von Liebe über die Leinwand. Wie im Vorbeigehen plündert er dabei auch noch lustvoll die (nicht-heterosexuelle) Filmgeschichte. Das ist allerdings dieser Tage ein beliebter Sport unter Filmemachern und Xavier Dolan beherrscht ihn frappierend routiniert.

Drei Menschen, drei Narzissten stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Der schwule Francis und seine Hetero-Freundin Mary treffen auf den Schönling Nick. Es bricht ein Wettkampf um die Gunst des blond gelockten Adonis los, Freundschaft wandelt sich in offene Feindschaft. Klar, hier ist einiges an komödiantischem Potenzial zu holen. Aber „Herzensbrecher“ geht darüber hinaus, überzeugt durch seine genaue Beobachtung von Verhaltensweisen. Dekliniert die emotionalen Achterbahnfahrten seiner beiden Hauptprotagonisten gewissenhaft durch. Zusätzlich grundiert Xavier Dolan seine Story mit Interviews Normalsterblicher, die über ihr Suchen, Lieben und Verlassenwerden berichten.

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Schnell ist natürlich klar: Francis und Mary schenken sich in ihrem Kleinkrieg nichts. Die Menage a trois findet nicht statt. Es zählt einzig die Eroberung von Nicks Zuneigung. Dass sie beide dabei nur verlieren können, verdrängen sie gekonnt. Dafür ist der wortwörtliche Soundtrack in dieser filmischen Kampfzone der Eitelkeiten vielleicht auch viel zu gut. Die Liebe ist, das gibt uns Xavier Dolan eindrücklich zu verstehen, wie eine schlechte Party: Wir wollen trotzdem tanzen, wir sind süchtig danach. „Herzensbrecher“ ist derzeit der vielleicht ideale Film zu diesem Thema, hilft er uns doch, diesem widerlichen Spiel namens Liebe etwas Guten abzugewinnen. Oder es nur noch mehr zu hassen, das dafür umso lustvoller.