Klänge des Verschweigens

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KlaengedesverschweigensEin detektivischer Musikfilm von Klaus Stanjek
Das „schwarze Schaf“ unserer Familie war mein Onkel – ein fröhlicher Unterhaltungsmusiker, der über fünf Jahrzehnte lang in ganz Deutschland auftrat.
Mein „Geheimnisonkel“. Erst als ich 40 war, erfuhr ich fast zufällig, dass er schwul war und wegen seiner sexuellen Orientierung 8 Jahre in KZ’s verbracht hatte (Dachau und Mauthausen). Aber wieso hatte er überlebt? Und warum war mir das so lange verheimlicht worden?
Da musste noch mehr dahinter stecken…

Durch das Aufblättern eines Familiengeheimnisses begibt sich der Dokumentarfilm in die jüngere deutsche Vergangenheit und nähert sich tabubelasteten Zeiten wie weißen Flecken einer historischen Landkarte. Mein humorvoller Onkel lebte als Unterhaltungsmusiker in meiner Familie, wenn er nicht zu Gastspielen deutschlandweit unterwegs war. Erst mit 40 Jahren drang zu mir durch, dass er 8 Jahre in Nazi-KZ’s verbrachte (Dachau und Mauthausen) und dass er schwul bzw. bisexuell war, was er zeitlebens verheimlichen musste. Im Zuge meiner langwierigen Recherchen entdeckte ich, dass meine Mutter als 19-Jährige zwar vom KZ-Aufenthalt ihres Bruders wusste, aber sich dennoch für ihre Karriere beim BDM entschied, dass auch in so brutalen Konzentrationslagern wie Mauthausen turbulente Feste möglich waren – unter Beteiligung meines Onkels, und dass meine Heimatstadt Wuppertal, die sich so liberal und engagiert gab, einmal eine NSDAP-Hochburg war.

Wegen der aufgeladenen Familientabus war die Geschichte dieses Mannes nie offen zugänglich. Entsprechend basiert das Material des Films vor allem auf sekundären Quellen wie Erzählungen von Verwandten und Augenzeugen, meinen eigenen Erinnerungen, aufgespürten Dokumenten und auf vielen Fotos.
Die aufgesuchten Schauplätze liegen in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Berlin, Tschechien und Österreich. Mit Mitteln der Bildbearbeitung werden wir einigen Fotos „Leben einhauchen“ – unter Betonung ihrer Subjektivität. Einige Animationssequenzen (digitale CutOutAnimationen u.a.) erzählen Begegnungen zwischen dem Onkel und seinem Neffen nach.

Meine Spurensuche, meine überraschenden Begegnungen, die Auswertung der Fundstücke und meine Schilderungen führen den Zuschauer in die belastete, widersprüchliche Vergangenheit der deutschen Sozialgeschichte. Und machen die Dynamiken des Verdrängens und Verdrehens der Wahrheit emotional nachvollziehbar. Wobei Musik fundamental beteiligt wird – zur seelischen Entlastung und imaginären Befreiung.

(90 Minuten, D 2012)

Anschließend Podiumsgespräch - mit
- Almuth Püschel (Historikerin)
- Alexander Zinn (Soziologe, LSVD)
- Klaus Stanjek (Regisseur)
- Knut Elstermann (Moderation).


 


 Hier lief dieser Film:

Thalia-Arthouse, Rudolf-Breitscheid-Straße 50, 14482 Potsdam | Das Kino im Netz | gayBrandenburg-Stadtplan Potsdam Kartenauskunft: 0331 743 70 70

Mehr Infos zum Film und Projekt: klaenge-des-verschweigens | Veranstaltung auf Facebook

 

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