Was ist ehrenamtliche Arbeit wert?

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ehrenamtswert

Ehrenamtliche Mitarbeitende des Rat+Tat Potsdam und Cottbus mit Freiwilligen-Urkunden des Landes Brandenburg.

Die Antwort: 150.000 Euro - allein bei Brandenburgs größtem Freiwilligenstab für Homo-Projekte - Katte e. V.!

Was ist eigentlich ehrenamtliche Arbeit wert? Diese durchaus spannende und sehr interpretierbare Frage stellte kürzlich, dass für den Infektionsschutz (u. a. HIV/Aids) zuständige Referat 22 des brandenburgischen Sozial- und Gesundheitsministeriums (MASGF). Hintergrund dieser Frage könnte sein, dass durch Katte e. V. immer wieder darauf hingewiesen wurde, dass das Land Brandenburg im bundesweiten Ranking bei den Ausgaben zur HIV/Aids-Prävention Schlusslicht ist, was durch einige politisch Entscheidende mit ungläubigem Staunen bei verschiedenen Gelegenheiten quittiert wurde. Katte e. V. begrüßt nun deswegen ausdrücklich die Beschäftigung mit dieser Frage durch das hiesige Gesundheitsministerium.

Im Herbst letzten Jahres hatte das sog. Bund-Länder-Gremium die Frage der Transparenz und Vergleichbarkeit der Finanzierung im HIV/Aids und STI-Bereich diskutiert. Daraufhin verständigten sich die Länder dahin gehend, Kriterien und Maßnahmen festzulegen, um eine Abfrage in den Aids-Hilfen/Beratungsstellen/Projekten zu initiieren. In Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat, dem Bundesgesundheitsministerium und dem brandenburgischen Referat 22, wurden zwei Tabellen entwickelt, die eine Übersicht zur Finanzierung darstellen könnten. Das ist deswegen nicht ganz unwichtig, um bei Anfragen zum Welt-Aids-Tag oder bei Haushaltsgesprächen einen Vergleich zu anderen Bundesländern oder auch auf internationaler Ebene herstellen zu können.

Beim Versuch der gewissenhaften Beantwortung bzw. des Ausfüllens der zugesandten Tabellen offenbarte sich nun ein Diskurs mit zwischen dem Verein Katte und dem Ref. 22, bei der eine alle Seiten zufriedenstellenden Beantwortung dieser Frage bis zuletzt ausstand. Die Frage, was denn nun ehrenamtliche Arbeit wert ist, beantwortet das Ref. 22 mit zwei Pauschalsummen. Einmal mit der sog. Übungsleiterpauschale (2.400,00 Euro jährlich) für qualifizierte Arbeit und dem sog. Steuerfreibetrag für ehrenamtliche Arbeit (700,00 Euro jährlich) für weniger qualifizierte Arbeit. Würde man diese Summen zugrunde legen, würde man -vermutlich- auf eine Wert für die ehrenamtlichen Tätigkeit von vielleicht jährlich etwa 8.000,00 - 10.000,00 Euro bei Katte e. V. und einigen Selbsthilfegruppen kommen. Dieses Modell für eine Bewertung der ehrenamtlichen Arbeit hält der Verein Katte e. V. für nicht annehmbar und weiß dabei die Selbsthilfegruppen und die ehrenamtlichen Mitarbeitenden sowie die Bundesfreiwilligendienstleistenden des Vereins hinter sich.

Es ist völlig klar, dass ehrenamtliche Arbeit einen hohen Wert hat, auch wenn es "nur" eine virtuelle Bewertung ist. Wie an den mitgesandten Tabellen erkenntlich ist, wird der überwiegende Anteil des personellen Aufwandes zur Umsetzung der Projekte durch ehrenamtliche Kräfte beim Verein Katte e. V. und den Selbsthilfegruppen abgesichert. Es ist allgemein anerkannt, dass die Arbeit der hier Aktiven, hohe Ansprüche bei der Qualität sowie der Umsetzung der jeweiligen Projekte erfüllen und diese die defizitären Strukturen in beiden angesprochenen Bereichen im Land Brandenburg ergänzen und zum erheblichen Teil aufrechterhalten.

Nimmt man die Leistungen in den Bereichen HIV/Aids und LSBTI-Antidiskriminierungsarbeit zusammen, so kommt Katte e. V. und einige ausgewählte Selbsthilfegruppen bei ihrer Bewertung auf einen Wert von knapp 150.000 Euro jährlich. Der Verein geht davon aus, dass der Aufwand beispielsweise bei Vereinen, wie dem CSD Cottbus e. V. und der AIDS-Hilfe Lausitz e. V. ähnlich hoch sein dürfte.

Wie kam der Verein zu dieser alternativen Bewertung? Zum Einen wurde der Mindestlohn (8,50 Euro) angesetzt. Dieses vor allem für einfache wiederkehrende und unter Anleitung stattfindende Tätigkeiten. Zum Anderen wurde ein zweiter höherer Stundenlohn (12,00 Euro) festgelegt, der die hochqualifizierten Tätigkeiten, etwa Koordinierungs- und Beratungsaufgaben bewertet. Das Ganze mündet also in den "Ehrenamtsfaktoren EAF 8,5 oder EAF 12".

Wenn in aller Konsequenz diese "Ehrenamtsfaktoren" angenommen werden und damit die täglichen, wöchentlichen und daraus folgend den jährlichen Wert der ehrenamtlich geleisteten Arbeit errechnet wird, dann kommt man, mit jährlich etwa 150.000,00 Euro (HIV-Präventlion + LSBTI-Antidiskriminierungsarbeit) auf einen wesentlich realistischeren Wert für die geleistete ehrenamtliche Arbeit, die zudem auch dauerhaft über das Jahr hinweg geleistet wird. Das ist deswegen auch wichtig, weil die verschiedenen Einzelprojekte auch einen nicht zu unterschätzenden Wert haben. Denn durch die teilweise langjährige Umsetzung dieser Projekte, sind diese auch ein von den Zielgruppen angenommener Ansprechpartner oder Ansprechpartnerin in der jeweiligen Region vor Ort. Des Weiteren bekommt man in etwa eine Vorstellung, wieviel das Land Brandenburg einspart, wenn es beispielsweise solche Projekte, wie das Internetportal LOVE SEX SAFE, über eine beauftragte Agentur jährlich aktuell erhalten würde und mit Mitteln des Landes finanzieren müsste.

Hoffen wir also, dass das Land nicht nur die Werte symboliisch anerkennt, sondern auch aktiv den Erhalt der eherneamtlichen Strukturen in der Zukunft betreibt.


Jirka Witschak
Katte e.V.

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